Sonntag, 26. Februar 2017

Parent-Power schlägt Pester-Power: Von kapitalistischen Schurken und kämpferischen Müttern

Manchmal wenn man so in seiner Elternzeit zuhause vor sich hinschimmelt und mit nem Käffchen in der Hand die Nachrichten liest, fühlt man sich ganz schön nutzlos. Politisch gesehen. Gefühlt drehen ja grad alle komplett durch und es müsste so viel durchdacht und gemacht und verändert werden und ich häng hier rum und wasche Windeln. 

Ist natürlich Quatsch. Wir würden nicht halb so nachhaltig und konsumarm leben, wenn ich nicht in Elternzeit wäre und die Zeit dafür hätte. 
Aber der viel wichtigere Beitrag von Mütter zu einer neuen Welt - und das liegt quasi auf der Hand - sind natürlich ihre Kids. Kinder, die Liebe, Respekt, Toleranz usw. erfahren, geben dies meist auch weiter. Bekommen sie Achtsamkeit, Konsumkritik oder Umweltbewusstsein vorgelebt, werden diese Werte für sie sehr wahrscheinlich bedeutsam sein, wenn sie groß sind.(Dasselbe funktioniert natürlich auch in die andere Richtung, weshalb ich für diese Stadt schwarz sehe.)

"Liebevolles Begleiten" und "gutes Vorbild sein" sind für mich kein Pappenstiel.
Aber damit ist es noch nicht getan. Liegt vielleicht daran, dass Tobolino jetzt 5 ist und verstärkt äußeren Einflüssen ausgesetzt ist, aber ich habe zunehmend das Gefühl, meine Kinder beschützen zu müssen. Nicht vor Stürzen, Sonnenstrahlen und Erkältungskrankheiten, sondern vor -uaaaaaahhhhrrrr - dem entfesselten Kapitalismus!

Beispiel 1: Zuhause essen wir voll viel Obst, aber sobald T irgendwo anders ist, bekommt er massenhaft Süßkram in den Mund gesteckt. So mit richtig viel Zucker und natürlich findet er das dann tausendmal geiler als diese natürlichen Aromen aus 'ner Birne und diskutiert dann endlos mit mir rum. Na zumindest versucht er es. 
Beispiel 2: Wir essen eigentlich nur Joghurt aus dem Glas wegen Müll und so, aber da ist natürlich keine Elsa (who da f***?) drauf. Tränen, Trotz, Tobsucht.
Beispiel 3: In letzter Zeit haben wir oft darüber gesprochen, woher Fleisch kommt, und T findet es total doof, wenn es Tieren nicht gut geht, aber wenn ihm jemand Ferdi-Fuchs-Streichwurst anbietet, hat das ja offensichtlich "gar nix mit Tieren zu tun". 
Beispiel 4: Spielzeug. Coole Holzbausteine versus das blinkene, Geräusche produzierende Plastik-Laserschwert: Welches wird den Beliebtheitswettbewerb gewinnen?

Irgendwie war ich lange hin und her gerissen, wann und wie viel ich Tobits Wünschen nachgebe, auch wenn sie mir nicht gefallen, und an welchen Stellen ich klare Grenzen ziehe. 
Und dann fiel mir ein alter Artikel aus der Zeit in die Hand, in dem es um Child Advertisement geht, also im Grunde um Werbung, die sich an unter 12jährige richtet. Da die ersten Jahre im Leben eines Kindes prägend sind, schafft es treue Konsumenten, wenn ein Kind schon frühzeitig mit vielen Marken vertraut ist und gute Gefühle damit verbindet: entweder wegen Spongebob, viel Zucker, dem immergleichen Geschmack ("hach, das schmeckt wie in meiner Kindheit") oder dem Code auf der Packung, mit dem man ins Internet gehen und Spiele spielen kann. Und da ein Haufen Experten immerzu daran arbeiten, die "Pester-Power" - zu deutsch: Quengelkraft - von Produkten zu erhöhen, ist das Kind selbst schon ein dann ein guter Konsument, wenn es noch gar keine Kohle hat. 

Ist das nicht eine bodenlose Frechheit? Da arbeiten Menschen ganz gezielt daran, dass ich von meinem Kind zermürbt werde, bis ich ihm Produkte kaufe, von denen diese Leute genau wissen, dass sie ungesund sind (Zucker, billiges Fett, Zusatzstoffe). 
Als ich diesen Artikel las, habe ich direkt meinen Helikopter eingeschaltet, die Fäuste geballt und geschworen: "Meine Kinder kriegt ihr nicht."


(M)Ein Kind dazu zu bringen, auf etwas zu verzichten, was es geil findet, und das ohne dieselben Methoden anzuwenden, wie die Gehirnwäscher aus der Werbeindustrie, ist eine Lebensaufgabe. 


Folgendes bewährt sich bei uns:



1. Wir machen jedes Produkt, dasss wir nicht sowieso unverpackt kaufen, naksch, um zu verhindern, dass die Kids durch die Figur auf der Packung an die Marke gebunden werden.

2. Ich nehme Tobolino mit zum Einkaufen auf den Markt, zum Unverpacktladen, zum Gemüsemann, aber nicht mit in den Supermarkt.   

3. Zuhause gibt es kaum verarbeitete Produkte, damit die kindlichen Geschmacksknospen empfänglich bleiben für natürliche Aromen. (Ich hab ja von veganenHippie-Kindern gelesen, die Gummigetier ausgespuckt haben, weil ihnen die künstliche Süße zu eklig war.)

4. Ich rede wie ein Buch über Inhaltsstoffe. (Er tut dann immer so, als wäre ihm das egal, beklugscheißt dann aber wildfremde Leute, die in der StraBa Gummibärchen essen.)


5. Ich biete Alternativen an und lobe diese über den grünen Klee. (Zum Beispiel selbstgemachte Dattel-Haferflocken-Kokos-Kugeln statt anderem Süßkram. Findet er gut.


6. Ich gehe Kompromisse ein. (Die Katjes-Schweinekopf-Gummibärchen sind voller Zucker und in 'ner Plastiktüte, aber ohne totes Tier. Darf auch mal sein.)

7. Und ganz wichtig: Wir schauen nie Fernsehen und damit auch keine Werbung. 



Grundsätzlich bin ja nicht so für's Abschirmen und Beschützen. Irgendwie sollen die Kids ja auch mal klarkommen in der Welt. Aber wenn Kinder von erwachsenen Menschen heimtückisch und zu ihren Ungunsten manipuliert werden, ist das eine Gefahr, die sie nicht sehen und sich ihr damit auch nicht stellen können. Das macht mich super wütend.


!Deshalb appelliere ich! 
Lasst die Werbestrategien dieser Marketing- Assis ins Leere laufen. Macht selbst. Kauft wenig. Kauft unverpackt. Schmeißt den Fernseher aus dem Fenster. Macht das Radio aus, wenn Werbung läuft. Bestellt Werbezeitungen ab. Klärt eure Kinder auf über Inhaltsstoffe und aggressive Werbung. Gebt ihnen echtes Essen und ein Gefühl für echt Bedürfnisse. Kurz: Zeigt dem Kapitalismus den Stinkefinger.



Freitag, 20. Januar 2017

Heute wasch' ich, morgen leg' ich, übermorgen beginne ich von vorn

Der Silvestertag des vergangenen Jahres war ein historischer Tag. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten sah ich den Boden unseres Schmutzwäschekorbes. Demzufolge hingen auf der Leine kurze Hosen und Kinderkleidung in der vorletzten Größe. Der Wäscheamount nahm in den letzten Monaten derart zu, dass ich kurz mit der Anschaffung eines Trockners liebäugelte. Ich. Die ich damit prahle, dass es in unserer Küche nur zwei elektrische Geräte gibt und jeden Herbst meine Mitmenschen mit meiner Hetzrede gegen den Laubbläser tyrannisiere (Jetzt mal ernsthaft - weshalb nimmt man keinen Besen oder Rechen? Kein Lärm, kein Benzin/ Strom, billig in der Anschaffung, nicht anstrengender in der Handhabung - ICH. VERSTEH'S. NICHT.) Ausgerechnet ich träumte also davon, meine Wäsche aus der einen Maschine in die nächste zu packen, die einen Prozess übernimmt, für den man eigentlich nur Luft braucht. Am Ende siegte der Idealismus. Dafür hasse ich ihn an jedem Abend, an dem ich gegen zehn feststelle, dass die Waschmaschine noch voll ist und ich jetzt in den kalten Wäschekeller zum Aufhängen muss. Und dann denke ich grummelig darüber nach, wieviel Wäsche meine Familienmitglieder produzieren, indem sie schwitzen oder täglich ihre Erlebnisse auf ihren Kleidungsstücken festhalten, damit ich abends nachvollziehen kann, wie es in der KiTa war. 

Aber tatsächlich bin ich nicht ganz unschuldig an den Wäschebergen. Meine Anti-Müll-Fimmel beschert uns etwa eine Maschine zusätzlich pro Woche, da ich doch recht viele Wegwerfprodukte in unserem Haushalt durch Stoff ersetzt habe. Sehet her.

First of all: Der ganze Wickel-Stuff.
Mullwindeln, Molton-Einlagen und Wickelunterlagen hat schon Daddy benutzt. Die Reinigungspads habe ich aus einem alten Handtuch und Stoffresten genäht.

Ich will gar nicht dran denken, welche Müllberge ich durch das Wickeln meines ersten Kindes produziert habe. Genauso wenig will ich allerdings daran denken, wie das mit den Stoffwindeln wird, wenn der kleine Scheißer feste Nahrung zu sich nimmt. 
Nebenbei bemerkt: Ich glaube, dass Mütter, die behaupten, dass sie die Kacke ihres eigenen Kindes nicht eklig finden, lügen. Ich HASSE die Kacke meines eigenen Kindes. Immer wenn sich T mit seinem Kacker-Liedchen auf den Lippen Richtung Bad bewegte, habe ich mir eine furchtbar dringende Aufgabe gesucht. Am besten eine, bei der die Hände für einige Zeit in irgendeiner Masse oder Wasser stecken, damit ich ja nicht diejenige bin, die ihm den Hinter abwischen muss. Meinem eigenen Kind. So ist das.


Verwaist: Die Halterung für die Küchenrolle.
 

Aus dem Nachlass unserer Vormieterin... Was könnte ich aus dem Ding noch bauen? Any Ideas? Statt Küchenrolle kommt der Spüllappen mehr zum Einsatz. Und Stoffservietten aus überflüssigen Geschirrtüchern.

Wer Stoffwindel sagt, muss auch Stofftaschentuch sagen. Zum Glück gab's davon auch noch eine Menge aus den eigenen Kindertagen.

Und last but not least: Reinigungspads für mein Gesicht. Vorn Flanell, hinten Jersey. Bisschen Olivenöl drauf und fertig ist die Laube.



Fehlt nur noch wiederverwendbares Toilettenpapier. Aber das wird bei meinem gestörten Verhältnis zu Exkrementen wohl eher nüx...


Freitag, 16. Dezember 2016

"R" wie (hard to) "Refuse": Geschenke

Sich über ein Zuviel an Geschenken zu beschweren, empfindet sicher der ein oder andere als Luxusproblem. Aber für Menschen, die versuchen, ihren Besitz drastisch zu reduzieren und vielleicht auch noch Müll zu vermeiden, werden Geschenke manchmal echt zum Problem.

Mitbringsel und Freebies
Als Erwachsener find ich es schon schwierig zu reduzieren, was von draußen rein kommt. Bei Geburtstagseinladungen und Kinderannouncements schreibe ich dazu, dass Geschenke wirklich nicht vonnöten sind (- es sei denn, man kann es essen). Und manche (warum nicht alle???) halten sich auch daran. Etwas schwieriger war es für mich, zu einem generellen 'Nein' zu Freebies zu finden. Als Ostkind mit nem Haufen Geschwister wächst man in dem Gefühl auf, alles hamstern zu müssen, was man kriegen kann. Erst recht, wenn es billig oder gar umsonst ist. Die Einsicht, dass ich mit jedem angenommenen Werbegeschenk weiteren Bedarf anmelde, verdanke ich Bea Johnson.Hätte ich im Grunde auch selbst drauf kommen können. Und trotzdem ist es keine Woche her, dass ich Rind mit einem Koffer voller Babyzeug von DM nach Hause trabe. Ich hatte es zwar in erster Linie auf den Koffer abgesehen, fand mich dann aber eine gefühlte Ewigkeit damit beschäftigt, die zahlreichen Artikelproben auszupacken, zu sortieren und in der Wohnung zu verteilen. Nun besitze ich drei kleine Fläschchen mit Babyshampoo, obwohl ich sowas nie benutze. 
Da mein Gehirn offenbar nicht immer so arbeitet, wie es eigentlich soll, habe ich einen inneren "Nie-wieder-Gratisgeschenke"-Schwur abgelegt. Dann hat die Sache wenigstens etwas Gutes.

Wie sagen wir's den Kindern
So richtig megakacke wird die Sache mit den Geschenken aber imho erst dann, wenn man Kinder hat. Vor einer Weile hab ich den Besitz unseres Sohnes decluttert (sry, ich lese Zero Waste Home auf Englisch...) und wir waren überwältigt von der Wirkung. Seit er ein sehr überschaubares, klar sortiertes Angebot an Spielzeug hat, spielt und baut er stundenlang in seinem Zimmer und räumt sogar freiwillig auf. (Ich hatte ein superschlechtes Gewissen dabei, in seiner Abwesenheit seine Sachen auszumisten. Aber seine Erzieherin hatte uns dazu geraten, weil er gelinde und in Mundart ausgedrückt immer "ä bissl sehre uffgeräscht" ist.)

Ich habe seitdem (und auch vorher nicht) kein einziges Spielzeug gekauft. Aber seine Sachen haben sich schon wieder verdoppelt. Ich betone ständig, dass die Jungs nix brauchen. Aus gerade erläuterten Gründen, aber auch weil ich möchte, dass meine Kinder kleine Dinge wertschätzen können. (Wenn mein Sohn etwas geschenkt bekommt, freut er sich 10 Sekunden und fragt dann, wo der Rest ist.) 

Zum Advent bekam Tobolino von Bekannten eine Kiste mit 24 Geschenken. Richtigen Geschenken. Zum Nikolaus gab's von vier Seiten Präsente. Beim Zahnarzt gab's zur Untersuchung eine Plastikfigur in Plastikfolie und zur Behandlung eine Plastikarmbrust in Plastikfolie (Fail. In so many ways). Die Apotheke packte noch ein Flugzeug obendrauf. Natürlich auch aus Plastik. Und im Supermarkt kriegt er jedesmal so ne beschissene Fahne in die Hand gedrückt. Da stehste als Mutter daneben und willst platzen. Ich kann dem Kind ja schlecht das Geschenk vor der Nase wegreißen, dass der Verkäufer ihm hinhält. 

Eine kleine Auswahl -.-
Das Einzige was mir übrig bleibt ist, meinem Kind Tag für Tag das Lied von den echten Schätzen und dem schlechten Müll ins Ohr zu säuseln und siehe da: Vor kurzem erzählte er meiner Mutter, dass "wir" zuhause keine Fruchtzwerge essen, weil da so viel Müll drumrum ist. Und heute hat er zehn!!! Autos aussortiert, mit denen er nicht mehr spielt. Und natürlich gibt's von uns zu Weihnachten nur ein einziges Geschenk. Schon deshalb, weil er trotz inständiger Bitten unserseits von allen Seiten überhäuft werden wird. That sucks so much. 

Freitag, 18. November 2016

"R" wie "Reduce": Klamotten

Was Klamotten angeht ist im Netz ja grad ein wahrer Minimalismus-Hype ausgebrochen. Immer öfter geistern durch die Blog- und Vlog- Landschaften Fotos von weißen Zimmern, darin eine Kleiderstange (oder auch sehr beliebt: der Ast) mit zehn Kleidungsstücken und im Vordergrund steht ein Mädchen, das erklärt, wie es daraus 50 verschiedene Outfits zusammenstellt.

Was Hypes angeht bin ich irgendwie in einer Trotzphase stecken geblieben. Immer habe ich das Gefühl mich auf-Teufel-komm-raus dagegen wehren zu müssen. Aber ganz wenig im Kleiderschrank, nur Lieblingssachen, alles passt (zusammen) - mehr Einfachheit, mehr Zeit, weniger Ballast - wie geil wäre das denn? 

Und so habe ich mich - ausgerüstet mit dem unbedingten Wunsch nach Wenig und ein bisschen KonMari - ans Werk gemacht. 


Erster Schritt:
Ich hab alle Kleidungsstücke auf einen Haufen geworfen. (Und fotografiert. In unserem Bärenloch. Ohne Spiegelreflex oder ähnliches. Besser wird's nicht.)

In den letzten Monaten habe ich schon mehrmals weniger radikal ausgemistet. Das hier ist also nicht die ganze Wahrheit.

Zweiter Schritt: 
Ich hab jedes Kleidungsstück in die Hand genommen und ... ähm ja ... in mich rein gefühlt, ob es mich glücklich macht. Sounds crazy, but it works. Und dann gab es noch ein paar Sachen, die mich weniger glücklich machen, da sie mich an das böse Wort mir "A" erinnern, aber die ich auf jeden Fall im nächsten Schuljahr wieder brauche.

Dritter Schritt: 
Ich hab jedes glückliche Kleidungsstück angezogen und geschaut, ob es mir steht bzw. noch passt (Little Mister 41+6 hat an/in meinem Körper ganze Arbeit geleistet). 

Und jetzt habe ich bisschen getrickst, um mein inneres Das-kann-ich-bestimmt-nochmal-gebrauchen-Kind zu überlisten. Ich hab einen Karton bereit gestellt, in den Sachen reinkommen sollten, die ich sehr wahrscheinlich nochmal gebrauchen kann. Kleider, die ich grad nicht trage, weil sie stillunfreundlich sind, Arbeitskleidung, Lieblingsstücke, die auf jeden Fall wieder passen werden, ein paar Sommersachen. Ich hab den Stapel für diese Kiste mehrmals durchgehen müssen, bis er reingepasst hat. Die Kiste steht jetzt im Keller. Nächsten Sommer gehe ich sie wieder durch und verstaue dann die Wintersachen darin. 
Zwei große Säcke standen bereit für Humana, einer für's örtliche Flüchtlingsnetzwerk und einer für Klamotten, aus denen sich noch was anderes nähen lässt. 
Am Ende habe ich mehr weggegeben als jetzt noch im Kleiderschrank ist. 


Und was hat's gebracht? 
  1. Es ist megacool, viel Platz im Schrank zu haben.
  2. Anziehen ist leichter geworden.
  3. Trotz viiiiiiiel weniger Kleidung trage ich weniger oft das gleiche. 
  4. Ich konnte ziemlich genauso sehen, was mir wirklich fehlt. Basics. Die stehen jetzt auf meiner Nähliste
 
Ich habe weniger Shirts als er!



Btw: Die Aktion ist jetzt bestimmt schon 'nen Monat her und ich hab noch kein einziges Kleidungsstück vermisst. 

 

Mittwoch, 9. November 2016

"R" wie "Refuse": Nachrichten

Ab heute lese ich keine Nachrichten mehr. Kein SpiegelOnline, keine Zeit, keinen StarkGemacht!-Pressespiegel!

Wenn ich morgens mit den Nachrichten durch bin, will ich eigentlich gleich wieder ins Bett gehen. Und wenn ich abends im Bett liege, mache ich mir Sorgen um meine Kinder. 

Seit ich heute morgen beim Frühstück Nachrichten gehört habe, will ich mich begraben. In welch einer Welt lebe ich, in der ein Mann ohne Sinn und Verstand und gänzlich ohne Anstand und Würde zum Präsidenten gewählt wird? Was kann man da noch tun? Wir müssen auswandern. Nach Bhutan. Aber da wären wohl erstmal andere dran. Und die Frage ist, ob es überhaupt einen Platz auf der Welt gibt, an dem man vor Donald Trump und Populisten seines Schlages sicher ist. 

Bleibt der Rückzug ins Private. Heile Welt in den eigenen vier Wänden. Familie, Freunde, Hobbies und riesengroße Scheuklappen. 
Goodbye world. 
Hello Biedermeier. 

Dienstag, 11. Oktober 2016

"R" wie "Refuse": Lebensmittelverpackungen

Wir geben den Großteil unseres Geldes für Nahrung aus. Und ich befürchte, dass ein großer Teil dieses Geldes in die Verpackung dieser Nahrung fließt. 
Das Geld ist mir wurscht. Der Müll nicht. 

Alleine für's Frühstück landeten durch uns wöchentlich 3 Foliebeutel und 3 Pappschachteln (handelsübliches Müsli und Cornflakes) und etwa 5 Tetrapacks (Sojamilch) im Müll. Wir oder vor allem ich (einer muss ja arbeiten) haben jetzt einige Wochen dieses und jenes ausprobiert und sind dabei, eine neue Einkaufsroutine zu entwickeln, die auch noch durchführbar ist, wenn meine Elternzeit vorbei ist. 

Haltbare Lebensmittel
Um dem Müslimüllproblem Einhalt zu gebieten, waren wir am Wochenende im Unverpacktladen auf der Böhmischen Straße. Zuvor habe ich ein paar Gläser gesammelt und einige Stoffbeutel aus überflüssigen Geschirrtüchern genäht (ich besaß sage und schreibe über 20 Stück und das, obwohl ich mir noch nie eines gekauft habe).
Es ist natürlich völlig utopisch anzunehmen, dass ich einmal die Woche in die Neustadt zum Einkaufen fahre, aber einmal im Monat am Samstag vormittag sollte gehen. Der Laden ist megagemütlich, es gibt Kaffee und Brettspiele und neben allen möglichen haltbaren Lebensmitteln wie Reis, Müsli, Tee, Gewürzen, Backzutaten auch einige Milchprodukte und Körperpflegeprodukte. Wir haben unter anderem einen Sack Müsli, knapp zwei Kilo Cornflakes, Couscous, grünen Tee und Rosmarin mitgenommen. 
Entgegen aller Erwartungen kippte ich beim Bezahlen nicht aus den Schuhen. Ich habe lose Ware auch schon im Bioladen gekauft und gefühlt einen Euro je Reiskorn bezahlt. Dem war im "Lose" nicht so. 


Obst und Gemüse
Schon seit wir zusammengezogen sind beziehen wir eine Gemüsekiste (vom Hof Mahlitzsch). Damit ist ein Grundstock unseres Bedarfs müllarm gedeckt, aber oft müssen wir noch Tomaten, Gurken, Paprika und natürlich Obst zukaufen und das ist im Supermarkt kaum ohne Folieverpackung zu haben. Deshalb gehe ich fast täglich auf dem Weg zur KITA (= mein Arbeitsweg) beim Asia-Markt vorbei. Der Verkäufer würde mir am liebsten jedes Stück, das ich kaufe, in eine extra Folietüte einpacken. Er hält mich und meine Stoffbeutel ohne Frage für verrückt, aber mittlerweile hat er sie akzeptiert. 



Milchprodukte  
Hier hapert's. Ich hab keine Ahnung, wie ich bei Quark, Feta oder Frischkäse um die Verpackung herumkomme. 

Any ideas???

Mittwoch, 5. Oktober 2016

zero waste home


Kurz vor Beginn meines Mutterschutzes hatte ich nochmal ein bisschen Stress in der Schule. Da ich durch zahlreiche Scharlach-Epidemien ständig aus der Schule ausgeschlossen werden musste, hatte ich am Ende ganz schön zu rudern, um noch genügend Zensuren zusammen zu bekommen.Und so stapelten sich auf meinem Tisch die Lesetagebücher, Schuljahres-Portfolios, Klassenarbeiten und natürlich mussten auch noch 25 Zeugnisse geschrieben werden.

In dieser Zeit brachte ich gefühlt täglich einen gelben Sack in die Tonne. Wie kommt sowas? Man arbeitet wie besessen, dann fällt einem ein, dass man vielleicht mal was essen müsste (vor allem, wenn man hochschwanger ist), dann radelt man fix mal am Supermarkt vorbei und holt sich ein Sandwich und 'nen Salat und -bam!- ist der Gelbe Sack zu einem Drittel gefüllt.

Ich ging mir damit selbst ganz schön auf die Nerven, aber ein alternativer Lebensstil in der Stadt braucht Zeit: Zeit, um sich Alternativen zu überlegen, um anders einzukaufen, um sich besser zu organisieren. Mein Ziel für die Elternzeit war und ist es daher, jetzt - da ich Zeit habe - einen müllreduzierten Lebensstil einzuüben, den wir auch dann halten können, wenn ich wieder arbeiten gehe.


Inspiration bekam ich von der Queen of Zero Waste Bea Johnson und ich lege euch diesen kurzen Vortrag wirklich ans Herz. Schon deshalb, weil ihr französisches Englisch so cool klingt :). 





  

Grundregeln des Zero Waste Lifestyle sind nach Johnson diese 5 R's (und zwar nur in dieser Reihenfolge):


REFUSE
Nein sagen zu Dingen, die man nicht braucht

REDUCE
Reduzieren, was man braucht

REUSE
Dinge nutzen, die man wiederverwenden kann

RECYLCE
Nur die Dinge recyceln, die man nicht durch die ersten drei R's umgehen konnte

ROT
Kompostieren



Bea Johnson produziert mit ihrer Familie ein Einmachglas voll Müll im Jahr!
Bis dahin ist es für uns ein weiter Weg, möglicherweise sogar zu weit - das ganze soll ja keine religiösen Züge annehmen. Vorerst begnüge ich mich mit Less Waste, dokumentiere hier unsere kleinen Schritte und vielleicht geht ihr den ein oder anderen mit.


Grüßle




PS: Bea Johnsons Buch erscheint demnächst auf Deutsch!



Sonntag, 2. Oktober 2016

Patchwork - Wiederverwertung 1.0

Kann man bloggen verlernen?
Seit Tagen trage ich Ideen mit mir rum, die ich teilen will, aber irgendwie fehlen mir die Worte. Obwohl ich seit kurzem mehr lese denn je zuvor. 
Seit ich in Elternzeit bin gehe ich alle zwei Wochen in die Bibo und hole einen Stapel Bücher für Tobolino - und einen Stapel DIY-Zeitschriften für mich. Wie sich der Kletterer in der Zeit, in der er nicht am Felsen hängt, durch Kletterführer fräst (like a certain someone), muss ich zwanghaft solche Magazine lesen, während ich nicht an der Nähmaschine sitzen kann (weil ich zum Beispiel stillen muss).

Was mich an all diesen Magazinen allerdings so ein bisschen nervt, ist das "Basteln um des Bastelns willen". Da gibt es in einer Ausgabe etwa 10 Anleitungen für Dinge, die ich zum einen oft nicht brauche und für deren Umsetzung ich zum anderen fünf neue Werkzeuge, drei Dosen mit Lack/ Kleber/ Magnetfarbe oder ein Arsenal von Kurzwaren brauche, von denen ich noch nie was gehört habe. Nicht nur, dass ich keinen Bock habe, einen Haufen Zeug zu kaufen - was passiert mit dem ganzen Kram, wenn ich mit dem Projektle fertig bin? In meinem Keller lagern bereits Acrylfarbe, Flüssigkunststoff und Latexbindemittel. Und last but not least sollte Selbermachen doch nicht dreimal so teuer sein wie fertig kaufen, oder? 

Worauf ich hinaus will: Wahre DIY-Freude empfinde ich eigentlich nur dann, wenn ich etwas, dass ich wirklich brauche aus Dingen herstellen kann, die ich oder irgendwer anders nicht mehr braucht.

Ich glaube aus diesem Grunde habe ich eine Begeisterung für's Patchworkquilten entwickelt, die fanatische Züge annimmt. Ich könnte stundenlang die Quilts aus Gee's Bend anstarren, kenne jedes Video im Youtube-Channel der Missouri Star Quilt Company, ja - ich schaue sogar Spielfilme, in denen es mehr oder weniger um's Quilten geht und höre dann wochenlang den dazugehörigen Soundtrack, während ich von Hand 700 Hexagons aneinandernähe (dazu später mehr).
Tatsächlich habe ich mir hierfür extra Werkzeug angeschafft: Schneidematte, ein guter Rollschneider, ein großes Lineal. Aber niemals, nein wirklich niemals würde ich Patchwork-Stoffpakete kaufen. Der Sinn eines Patchwork-Quilts ist es doch, Stoffreste oder abgelegte Kleidungsstücke zu verarbeiten, oder?


Meinen ersten Quilt nähte ich für meinen Sohn und zwar indem ich alle Stoffreste, die ich rumliegen hatte, kreuz und quer aneinandernähte. Das Ganze hab ich dann irgendwie auf eine alte Steppdecke draufgedängelt. Die Methode war weder professionell, noch ist das Ergebnis besonders kunstvoll, doch irgendwie passt die Decke gut zu den Umständen, unter denen ich den Tobolino bekam und deshalb bleibt sie so wie sie ist.




Unzählige Youtube-Tutorials und ein paar kleine Babydecken später war mit dem zweiten Kind wieder ein größerer Quilt fällig. Diesmal machte ich vorher einen Plan. 
Ich hatte viele verschiedenfarbige und unterschiedlich große Stoffstücke und brauchte ein Muster, in das ich so viel wie möglich davon einnähen konnte. Deshalb entschied ich mich für einen Log Cabin - Quilt, um den unterschiedlichen Größen meiner Reste zu begegnen. Um farblich Harmonie in die Decke zu bringen, habe ich die Stoffe zu blauen, roten und gelb-grünen Blöcken zusammengefasst. 
Vernäht habe ich einige abgelegte Kleidungsstücke, Stoffreste von anderen Nähprojekten, Teile eines Vorhangs, eine alte Tischdecke und Stoffe, die ich im Keller meiner Mutter gefunden habe. Der einzige gekaufte Stoff ist der, den ich für die langen Streifen und das Binding benutzt habe. Dafür bin ich tatsächlich mal zum Holländischen Stoffmarkt gegangen (und direkt nach dem Kauf wieder geflüchtet: zu gefährlich für eine hochschwangere Frau). Auf das Batting habe ich verzichtet, damit die Decke nicht so steif wird, und stattdessen eine alte Vliesdecke (Yves Rocher - Werbegeschenk) als Rückseite benutzt. 

And that's it. Samsons Quilt. 
 



PS: Ich plädiere für ein DIY-Magazin für reine Upcycler wie mich. 




Donnerstag, 22. September 2016

Die schönste Zeit im Lehrerleben ...

... ist die Elternzeit. 

Warum?

Auf Platz 3: Weil man die Schüler nicht sehen muss. 
Auf Platz 2: Weil man die Eltern der Schüler nicht sehen muss.
Auf Platz 1: Weil man seine Kollegen nicht sehen muss.

Die Reihenfolge dieser Punkte ist Schwankungen unterworfen. 

Ganz außerhalb dieses Rankings läuft dieser Punkt: 
Die Elternzeit ist so schön, weil man Zeit hat, um so Weltverbesserungsupcyclinglesswasteandconsumeundohnechemieundtotalnachhaltigdiy-Schnickschnack wie das hier zu machen:


Selbstgemachtes Trockenshampoo

Ich benutze seit etwa einem Jahr mit sehr schlechtem Gewissen Trockenshampoo und habe damit immerhin erreicht, dass ich meine Haare auch ohne irgendwas seltener waschen muss. Doch es wurmte mich jedes Mal wenn ich eine leere Sprayflasche in den Müll gebracht habe - was häufig vorkam, da das Zeug nicht besonders ergiebig ist. 
Im Gegensatz zu der Mischung, die ich jetzt angesetzt habe. Funktioniert großartig, kostet fast nüscht, hält ewig und lässt sich dank true-fruits-Flaschenaufsatz
auch gut benutzen: auf den Ansatz streuen und Haare bürsten. Manche schwören noch auf Wildschweinborsten-Bürsten^^, aber es geht auch mit einer ganz normalen Haarbürste.   

Und da ich nun schon vier Tage keine Haare waschen musste, hatte ich direkt mal wieder Zeit zum bloggen. Ach, du schöne Elternzeit. 

Freitag, 20. Februar 2015

"Is niss lustis. Niemand lacht."

Ich bin als Mutter an der Stelle angekommen, an der ich mich selbst durch den Mund meines Kindes höre. "Is hab diss verstanden, mösste aber trotzdem niss Suhe anziehn", "Lass miss bitte kurz in Ruhe", "Iss komm gleiss, muss nur noch snell..." usw. 

Der Satz aus der Überschrift war der erste seiner Art. Gleichzeitig ist er der Grund, weshalb ich nicht mehr schreibe. Natürlich hat das auch was damit zu tun, dass ich jetzt - nach dem Ref - mehr arbeiten muss als vorher. Und ich hab immernoch ein kleines Kind. Und ein Privatleben. Und damit ist der Tag voll. Eigene Interessen verfolgen? In den nächsten Ferien wieder. 


Der eigentliche Grund für meine Blog-Abstinenz ist aber ein anderer. Irgendwo zwischen dem Ende der Ausbildung und dem Berufseinstieg, zwischen alter und neuer Schule - habe ich meinen Humor verloren. Ich glaub, das nennt man Praxisschock. Ich hab zwar schon zwei Jahre an ner Schule gearbeitet, aber das war das Ref. Man hatte ein Ziel. Nur noch drei Monate, nur noch vier Prüfungen. Schüler spacken rum? Egal, bin eh bald hier weg.

Vor den Ferien verkündete mir mein neuer Schulleiter feierlich, ich habe meine Probezeit bestanden und müsse nur noch hier und dort unterschreiben und dann wäre ich drin im System. Und ich dachte mir: "Hach, nur noch 37 Jahre, dann bin ich hier weg." Hatte irgendwie nicht mehr denselben Effekt.

Ich mag meine Schüler. Wirklich. Aber ich hab beständig das Gefühl, dass hier irgendwas komplett schief läuft. Entweder bin ich total unfähig oder unser Schulsystem ist komplett für'n Arsch oder irgendwas läuft in unserer Gesellschaft und in der Erziehung von Kindern falsch - zumindest hab ich das Gefühl, dass hier nüscht, aber auch gar nüscht rumkommt bei der Geschichte. 

Ich hab ne achte Klasse in Geschichte, da möchte ich manchmal heulen. Abgesehen von massiven Disziplinproblemen und der Unmöglichkeit, sie für irgendwas zu begeistern oder zumindest zu interessieren, bin ich kurz davor, nur noch MultipleChoice-Tests zu schreiben, weil dort keiner nen vernünftigen Satz bilden kann. So mit Subjekt, Prädikat, Objekt. Ganz zu schweigen vom Inhalt. Letztens hab ich den Schülern ein paar Fotos von den Hauptakteuren der Russischen Revolution gezeigt. Haben wir mindestens sechs Stunden dran gearbeitet. Frage: "Wer ist das?" Antwort: "Leni, Stahdi, Stroki." 
Was das Fass zum Überlaufen bringt: Ich wohne und arbeite ja in der Pegida-Hauptstadt. Ich versuche tatsächlich diesbezügliche Diskussionen mit meinen Schülern zu vermeiden, weil ich weiß, dass ich danach ne Sinnkrise bekomme. Aber alleine, was ich so im Vorbeigehen aufschnappe, reicht aus, um mich eingraben zu wollen. Eine Kollegin, die mit mir angefangen hat, erzählte mir, sie hätte sich in der Woche vor den Ferien mindestens drei Mal vor ihrer Klasse scheinexekutiert.

Im Ref konnte ich über all diese Sachen noch lachen. Oder zumindest zynische Kommentare abgeben, über die dann andere lachen. Aber wenn ich jetzt so auf die nächsten 37 Jahre blicke, denke ich nur noch: "Iss niss lustig. Niemand lacht."

Mittwoch, 19. Februar 2014

Tooth-Story

Neue Geschichten aus einer meiner 5. Klassen. Wobei - neu ist die Geschichte nicht. Ich schaff's nur nicht, zu posten. However -

Es begab sich zu der Zeit, als in der 5. Klasse in Deutsch das Thema "Märchen" dran war, dass sich eine Referendarin naiv daran machte, mit 26 Schülern ein Stück einzustudieren. In Gruppenarbeit. Fail. 
Das Stück - König Drosselbart - wurde in sechs Szenen unterteilt und die Klasse in sechs Gruppen. Jede Gruppe sollte ihre Szene inszenieren. Für die Proben hatte ich die Aula reserviert, weil sechs Gruppen ja Platz brauchen, und: ich hatte vorher - wohlwissend, mit wem ich hier arbeite- ein Regeltraining durchgeführt, means: Regeln für die Gruppenarbeit erarbeitet, Gruppensprecher bestimmt, die darauf achten, dass diese auch eingehalten werden, ja sogar Kommandos eingeführt und trainiert - es ging zu wie auf dem Exerzierplatz. Aaber: hat alles nüscht genutzt. War trotzdem Chaos. 

Da dachte ich mir, es wäre doch ne gute Idee, zwei der Gruppen, die ordentlich arbeiten und auch sonst ganz harmlos sind, allein (!) in ein anderes Zimmer zu schicken, um dem Chaos ein wenig zu begegnen. Dialog: "Kriegt ihr das hin? Kann ich mich auf euch verlassen?" "Klar, Frau M." "Na, ihr habt ja hier noch den Dingens dabei, der ist ja manchmal etwas... schwierig - kriegt ihr den in den Griff?" "Na logen, Frau M."
Gut. Gruppen gehen raus. Zehn Minuten später kommt Dingens zu mir, tippst mich an und hält mir seinen geöffneten Mund und seine geöffnete Hand hin. In der Hand war ein Zahn, im Mund fehlte einer. 

Dialog: "Wieso ist dein Zahn in deiner Hand und nicht im Mund?" "Der Nico und die Lucy haben mir den rausgebrochen." "Whaaaat?"

Zehn Minuten später im Sekretariat bei der Aufnahme des "Unfall"-Berichts:
"Was ist passiert?" "Der Nico hat mein Gesicht fest gedrückt und dabei ist der Zahn rausgefallen." "Vom Drücken fällt doch kein Zahn raus." "Die Lucy hat ihn vorher mit der Faust gelockert." "Ups." Erklärung der Übeltäter: "Sie haben doch gesagt, wir sollen den in den Griff kriegen. Deshalb hab ich mal rüüüchtüsch fest zugegriffen." 

Mist.

Mittwoch, 1. Januar 2014

Back 2 work

Alter Schwede, ich war derart lang nicht mehr hier, dass ich schon gar nicht mehr wusste, wie man auf seine eigene Seite kommt... Ref und Kind sind auf jeden Fall 'ne ordentliche Herausforderung. Aber es läuft.
Ich hätte viel mehr zu erzählen, als ich Zeit dazu hab, aber um nur einen kleinen Einblick in mein wiederaufgenommes Ref zu geben, beschreib ich einfach mal, wie meine erste Stunde in der - nennen wir sie mal- 5b lief. Das b steht übrigens für behämmert.

Ich komm da also rein mit ner echt geilen Stunde im Gepäck. Kleines Warm-Up, um sich kennenzulernen, eine Kiste voll Demonstrationsmaterial, ein spannendes und stundenlang durchdachtes Arbeitsblatt mit Aufgaben, bei der jede Redaktion einer Kinderzeitschrift vor Neid erblassen würde und geworden -  ist nüscht. 

Zwei Minuten Unterricht und der erste springt auf, rennt durch den Raum, springt auf eine Bank und stürzt sich von dort mir erhobenen Fäusten auf einen Mitschüler. Ohne dass ich irgendeinen Auslöser hätte sehen können. Fünf Schüler und meinen Schwitzkasten hat es gebraucht, um den von dem anderen Typen runterzuziehen. Während ich versuche, diese Situation für mich zu verarbeiten und irgendwie weiterzumachen, fängt ein anderer an, sich die Haare auszureißen und zu schreien: Ihr macht mich alle krank. (Genau das hab ich 45 min später im Lehrerzimmer auch getan.) Eine andere Schülerin fing ab diesem Zeitpunkt an, Briefe an mich zu verfassen und sie mir im Fünf-Minuten-Takt nach vorne zu bringen. Später in dieser Stunde bekam sie noch Atemnot. In der ersten Reihe saß ein Typ, der sich einen Hitler-Bart engeklebt hatte und mich konsequent mit Frau Popel ansprach. Und außerdem sprachen alle Jungs, wirklich alle Jungs, durchweg in einer Art Babysprache. Das scheint dort grad ein Trend zu sein. Einer von denen fing dann an, sich auszuziehen - Leute, ich sag's euch so, wie's ist: Ich war komplett überfordert, aber koooommplett.

Als ich nach der Stunde ins Lehrerzimmer taumelte, empfingen mich zum Teil mitleidige, zum Teil schadenfrohe Blicke und der Satz: "Jaja, die 5b ist schwierig." Schwierig? Die haben den Arsch offen. 
Das war meine erste Woche in der Schule. Mein Kind hatte eine Art Maul-und-Klauen-Seuche und konnte deshalb nicht zur Tagesmutter. Ich hab schon in der ersten Woche den Mega-Notfall-alle-meine-Freunde-springen-ein-Plan durchgezogen und dann das. 

Das ist jetzt zwei Monate her. Die Klasse wird mittlerweile getrennt, von zwei Lehrern 'unterrichtet'. Alles wird gut. Aber ich hab noch Stoff für viele, viele Blogposts. Wenn ich Zeit dafür finde...

By the way: Gesegnetes neues Jahr!

Dienstag, 24. September 2013

Für Deutschland sehe ich schwarz

...und ich könnte mich schwarz ärgern, dass ich es nicht geschafft habe, vor der Wahl zu bloggen. Und ich hätte tatsächlich was zum Bloggen gehabt, habe ich doch mindestens acht Wahlprogramme durchgeackert. 
Was mir dabei aufgefallen ist - doch für diese Info ist es jetzt zu spät - dass man bereits in den Präambeln eines jeden Wahlprogrammes anhand häufig auftauchender Begriffe und Phrasen ziemlich gut die - nennen wir's mal - grundsätzliche Wertepriorität einer Partei ausmachen kann. Und da ich ja vom politischen Typ eher Spinner als Pragmatiker bin, ist das für mich auch ziemlich ausschlaggebend. Ein kleines Beispiel: Die häufigst genannten Begriffe und Phrasen im CDU- Wahlprogramm sind: 'Wirtschaft', 'erfolgreich und stark' und 'Wachstum'. (Spätestens) Damit waren sie bei mir raus. Aber dummerweise halt nur bei mir -.-

Tatsächlich hat mich genau diese Erkenntnis ziemlich fertig gemacht und ich wollte eigentlich nie wieder über Politik reden und mich biedermeiermäßig ins Private zurückziehen, doch dann kam die Holunderschwemme dazwischen. Means: Muttern und ich haben am Wochenende in der Heimat unglaublich viel Holunder geerntet. Drei Tage hab ich kleine Beeren von Stielen befreit und zu Saft verarbeitet. Und als heut mir die Schraubgläser ausgingen, dachte ich: Da machste halt noch bisschen Likör, da konserviert ja bekanntlich der Alkohol. Und da ich während des Entstehungsprozesses ab und zu kosten musste, werde ich erstens 100 Jahre alt und zweitens überfiel mich das Bedürfnis, meine Gedanken in die Welt hinaus zu schreien (wofür ich morgen im Übrigen keine Haftung übernehme).

Zurück zum schwarzen Loch: Mir war ja durchaus klar, dass in einer (Mehrheits-)Demokratie die Bedürfnisse der Mehrheit dafür ausschlaggebend sind, was gemacht wird und was nicht bzw. welche Partei am Ende regiert. Bin im Grunde auch ein Fan der Demokratie. Was mich allerdings erschrecken ließ, ist folgendes: Ich und die Hippies um mich rum reden ständig darüber, was man verändern könnte, so dass es zum einen einzelnen Gruppen hier besser gehen könnte, aber am Ende auch der ganzen Gesellschaft. Da sind wir bei so Dingen wie Umwelt, Kapitalismus, Arbeitsmoral, Konsumgesellschaft, Entfremdung, soziale Anbindung, bla. Aber als ich das Wahlergebnis sah, traf mich wie ein Schlag die Erkenntnis, dass das, was wir wollen, außer uns keine Sau will. Wohlstand und gewisse Sicherheiten sind ganz offensichtlich dem Großteil der Bevölkerung derart wichtig, dass ihnen die Konsequenzen...Ach egal, ich wollte mich gar nicht über CDU-Wähler aufregen. Und im Übrigen verstehe ich auch ganz gut, weshalb das zum Beispiel meinen Eltern in ihrem Alter total wichtig ist.

Was ich sagen wollte, ist, wie tief mich die Erkenntnis getroffen hat, dass die Dinge oder Veränderungen, die ich für so gut und so wichtig halte, von der Mehrheit der Gesellschaft abgelehnt werden. Das hat mich geradezu persönlich getroffen, denn in mir kommt bei einer so gewaltigen Gegenstimme immer die Frage auf, ob ich nicht vielleicht behämmert bin und alles, was ich denke und für richtig halte, Megabullshit ist. Und wenn es nicht so, sondern andersrum wäre, dann sind die  Behämmerten in der Überzahl (und in der Regierung). Wie auch immer es sein mag- ich bin zutiefst resigniert. Und außerdem haut der Likör grad ganz schön rein. Nachtl.

Samstag, 31. August 2013

Wenn Arbeit was Geiles wäre, würden die Bonzen sie für sich behalten

Noch zwei Monate Elternzeit. Ab dem Ende der sächsischen Herbstferien wird mein Tag folgendermaßen aussehen: halb sechs Aufstehen, Lil' T zur Tagesmutter, Schule bis um eins, nach Hause und vorbereiten bis halb vier, Tobit abholen, Qualitytime mit einem Mindesteinsatz im Haushalt verbinden, die Esse ins Bett bringen, weiter vorbereiten bis halb zwölf, sechs Stunden schlafen und von vorn.
So wird's zumindest die acht Monate laufen, bis ich das Ref in der Tasche habe. Und dann? Doppelte Stundenzahl in der Schule, Klassenlehrertätigkeit und das alles in einer Art und Weise, die allen Beteiligten gerecht wird

Diese Sorgen haben mich dazu verleitet, etwas intensiver über die Bedeutung von Arbeit nachzudenken. Ich hab da ja irgendwie noch Glück. Mein Job ist nicht einfach nur 'ne Sache, die ich mache, um wohnen, essen, das Kind versorgen zu können. Da hänge ich echt mit dem Herzen drin. Trotz allem ist dieser Beruf derart unflexibel und zumindest in den ersten Jahren so arbeitsintensiv, dass ich mir durchaus überlege, ob die kleine Esse oder andere Menschen und Dinge, die mir wichtig sind oder am Ende auch ich selbst dabei zu kurz kommen.

Ich hab einige Freunde, die für sich entschieden haben, dass Arbeit irgendwie schon 'ne nette Sache ist und Lebensunterhalt ja auch, aber andere Dinge einfach mal verdammt viel wichtiger sind. Die gehen dann eben nur 26 Stunden arbeiten. Oder 32. Ist schon geil. Vorausetzung dafür ist aber halt auch immer, dass du in einem Metier arbeitest, in dem deine Arbeitszeit frei festsetzen kann und dabei noch genug verdienst. Also Frau Müller, die an der Kaufland-Kasse sitzt, würde wahrscheinlich vor Wut ihr Kartenlesegerät aus der Verankerung reißen, wenn sie hört, wie einige meiner Freunde über Arbeitsmoral philosophieren. Mein Vater beißt bei diesen Diskussionen regelmäßig in die Tischkante. Das bringt mich zum Thema 'Bedingungsloses Grundeinkommen', aber eigentlich wollte ich auf ganz was anderes hinaus...

Irgendwie ist es ja durchaus in den Köpfen angekommen, dass das Geracker auf Dauer nicht nur nicht glücklich, sondern viele Menschen auch krank macht. Wieso machen wir das also? Wieso stellen wir unsere Familien, Freunde, Hobbies, Sinnlos-im-Park-rumliegen, Musik hören, Sich-die-Sonne-auf-den-Bauch-scheinen-lassen, stundenlang Kaffee-Trinken, über den Stoffmarkt schlendern and so on zurück, um zu arbeiten?Ich hab gestern in der GEO einen Artikel über die Wohlstands- und Wachstums- Gesellschaft gelesen, in dem festgestellt wurde, wie tief dieses absurde Pflichtgefühl in unseren Köpfen verankert ist. Obwohl wir das eigentlich gar nicht mehr brauchen. Wir müssen ja nicht den ganzen Sommer zwölf Stunden auf's Feld, um über den Winter zu kommen. Wir haben genug. Alles, wofür wir uns abrackern, ist ein Noch-Mehr. Um sich sinnlosen Scheiß zu kaufen, der noch mehr wertvolle Zeit frisst.

So- und nun die Feststellung, die hier an dieser Stelle natürlich keeeeiner von mir erwartet hat: Das System ist schuld. Das Immer-mehr-haben-wollen hält unser Wirtschaftssystem im Gang: eine Ökonomie, die nur auf Wachstum aus ist, obwohl wir längst groß genug sind, und jedes weitere Füttern nur noch Schäden anrichtet. Schäden an der Umwelt, Schäden in unseren sozialen Beziehungen, Schäden an unseren Herzen letztendlich.

Immer wieder, wenn ich mich mit irgendwelchen Leuten über den Kapitalismus streite, kommt von der anderen Seite früher oder später die Frage: 'Haste ne bessere Idee?' Ging mir immer ordentlich auf den Sack, denn um zu einer besseren Idee zu gelangen, ist es nunmal notwendig das Übel der bisherigen festzustellen. However, vor einiger Zeit hat mich jemand auf das Konzept der Postwachstums-Ökonomie gestoßen. Meiner Meinung nach 'ne sehr viel bessere Idee, zu der schon einiges geschrieben worden ist. Aber da ja keiner von uns wirklich Zeit hat (nicht mal ich irgendwie), reicht vielleicht der äußerst coole Vortrag von Niko Paech, den man sich auf Youtube reinziehen kann, während man die Küche aufräumt (man muss allerdings zwischenzeitlich mal die Arbeit unterbrechen, um weiterzuklicken: sind insegsamt 7 Teile. Ist nur konsequent).
Kurz und knapp und um das hier zu Ende zu bringen: Der Typ meint, es müssen Möglichkeiten gefunden werden, um unsere Wirtschaft auf dem Level, auf dem sie jetzt ist, zu konsolidieren. Platt gesagt: Wir sollten uns aus diesem Immer-mehr-Wachstum-Konzept ausklinken und das Beste aus dem machen, was schon da ist (nämlich alles). Das wiederum würde dazu führen, dass wir alle weniger arbeiten. Und wenn jeder nur zwanzig Stunden arbeiten geht, hat er genug Zeit, seine Sachen zu reparieren, selber zu bauen, seine Gemüsebeete zu pflegen oder sein Können auf irgendeinem Gebiet der Person anzubieten, die Gemüsebeete pflegt und und und - und am Ende sind wir alle mega-glücklich. So ungefähr.

Ich finde den Ansatz von Niko Paech äußerst interessant und zudem profund. Und im Gegensatz zu mir hat er Ahnung, von dem, was er erzählt. Ich lese immer hier und da was, und während ich in der Hängematte liege und mir überlege, dass ich unbedingt was darüber schreiben will, merke ich, wie meine Haut sich dunkel verfärbt und mir ein Schnurrbart wächst und ich formuliere Sachen, wie: 'Ich träume von einer Welt, in der Menschen die Möglichkeit haben, jeden Mittag zwei Stunden in der Hängematte zu liegen.' Aber mal ganz ernst und realistisch ausgedrückt: Ich wünschte, ich wäre so wenig gestresst, dass ich mit meinem Sohn rumhängen kann, ohne die ganze Zeit darüber nachzudenken, wie viel ich noch zu tun hab. Und dann bin ich ungeduldig mit ihm, obwohl er ja nur einen einzigen, total nachvollziehbaren Wunsch hat: nach Zeit und ungeteilter Aufmerksamkeit. Es muss doch möglich sein, die ökonomischen Bedingungen zu schaffen, dass für jeden genau das drin ist. (Aber halt nicht, solange wir ein System haben, dass dem Geld dient, statt dem Menschen...)

So, was machen wir jetzt damit? Hört euch das Ding auf Youtube doch mal an und bombardiert mich, mit euren Gedanken. Vorausgesetzt ihr habt Zeit für sowas...


Literatur: 
Tim Jackson "Wohlstand ohne Wachstum", Fred Luks "Die Zukunft des Wachstums", Niko Paech "Befreiung vom Überfluss", ...

Samstag, 6. Juli 2013

Die Krone der Verpeiltheit

...geht diesen Monat ganz klar an mich. Ursprünglich handelte es sich bei besagter Krone um einen grünen Plastikring, der einst ein Teller war, bevor ihn jemand auf eine heiße Herdplatte stellte. In der WG, in der sich dies zutrug, wurde dieser Reif immer dann von Mitbewohner zu Mitbewohner weitergereicht, wenn jemand beispielsweise Wasser zum Abspülen einließ und dann über einem Film vergaß, den Wasserhahn wieder zuzudrehen, das Messer von der falschen Seite ableckte oder ähnlich geniale Aktionen brachte.

Ich weiß nicht, was aus der Krone geworden ist, aber ihr Geist schwebt seit einiger Zeit über mir. Es begann damit, dass ich ein Smartphone geschenkt bekommen habe, dass bei dem Versuch ein Android-System draufzuspielen das Zeitliche segnete. Seinen Nachfolger, im Übrigen das erste Handy, das ich mir je gekauft habe, habe ich einen Monat nach Erwerb verloren bzw. mir klauen lassen. Da darin alle meine Termine vermerkt waren, hatte ich in der Folge sehr viel Zeit, weiteren Mist zu bauen. Irgendwie hatte ich auch vergessen, dass die WG, mit der ich mir das Internet teile, ihre Wohnung räumen muss und merkte es erst- als das Internet weg war. Und in meinem Fall war damit auch mein Festnetzanschluss lahmgelegt. Was soll's, ich hab ja noch das Smart... ach nee, da war ja was. Die Mikrowelle gab ihren Geist auf, nachdem ich eine Tasse aus Metall reingestellt hatte. Als ich mein Fahrrad zur Reparatur bringen wollte, wurde mir nur höflich der Weg zum Container gewiesen. Und nun wohne ich seit kurzer Zeit auch noch allein. Also mit Tobit, aber ohne Mitbewohner. Zum ersten Mal in meinem Leben. Das hat zum einen zur Folge, dass ich nun im Besitz von mehreren Wohnungsschlüsseln bin und zum anderen, dass ich abends die Tür immer von innen abschließe, weil ich irgendwie ängstlicher bin, wenn nachts niemand außer mir da ist. Als ich heute morgen den Vormittagsschlaf von Little T nutzte, um ein paar Sachen aus dem Keller zu holen, nahm ich natürlich einen dieser Schlüssel mit. Dummerweise musste ich bei meiner Rückkehr feststellen, dass einer von den anderen noch steckte. Von innen. Dort, wo auch mein Handy lag und: Tobolino schlief. Und zwar ausnahmsweise nicht im Kinderbett, sondern auf der Matratze. Means: Weckt er auf, kann er sich frei in der Wohnung bewegen, was nur weitere Schäden an derselben bedeuten kann. Der Schlüsseldienst kam dank nachbarschaftlicher Hilfe: 2 Minuten Arbeit, 60 Euro Honorar.

Warum ich das alles niederschreibe? Zusammen mit ein bisschen Herzschmerz und einem kranken Kind, dass die ganze Woche zu Hause war und zur Zeit nur zwei Modi kennt, nämlich Ningeln oder Zerstören, hätten mich diese vielen kleinen, aber teilweise teuren Missgeschicke fast in die Knie gezwungen. Aber als ich anfing, all diese Sachen aufzulisten (und ich hab der Leserfreundlichkeit zuliebe so einiges ausgelassen), da konnte ich plötzlich schmunzeln. Ich lachte über mich und Murphy ins Gesicht: „Mich kriegst du nicht klein, alter Knabe, mich nicht!“

So. Wer von euch denkt nun, er könne mir die Krone streitig machen? Ich bin gespannt.

Freitag, 28. Juni 2013

Danke Dresden

Wenn ihr Dresdner seid, habt ihr vielleicht schon die Plakate gesehen, auf denen die Stadt allen freiwilligen Fluthelfern Danke sagt. 

Auf die Gefahr hin, dass mir eine Massenvergewaltigung angedroht wird- dieser Fluthilfewahnsinn ist mir suspekt. Mich nervt der deutsche Gartenzaun-Bürger, der sich beim Anblick dieses Plakats stolz auf die Schulter klopft, für den diese Flutaktion allerdings denselben Sinn erfüllte, wie sonst die Fußball-WM. Dementsprechend gab es im Zentrum Dresdens mehr Helfer als Wasser. In den Randgebieten allerdings, die weniger Gemeinschaftsrausch versprachen, blieben die Anwohner auf sich alleine gestellt. Die Leute, die sich an den Sandplätzen mit verbissenem Gesicht um die Arbeit geprügelt haben, machten mir Angst. Und auch die, die in heroischem Ton verkündeten, es wäre eine Sache der Ehre, dass man mit anpackt, wenn die Heimatstadt bedroht ist. Das erinnert mich irgendwie zu sehr an 1914. Bajonette zu Spaten.

Naja, ich will hier kein Engagement madig machen. Ich kenne Leute, die immernoch alle paar Tage raus nach Gohlis fahren und dort den Anwohnern ihre Hilfe beim Ausräumen ihrer Häuser anbieten. Ganz ungehypt und beständig. Ist ohne Frage saucool.

However ... was ich eigentlich erzählen wollte ... ähm, ach ja - die Danke-Plakate der Stadt Dresden. Großartig! Vorne ist ein Typ mit nem angedeutetem Iro zu sehen und - jetzt kommt's - rechts hinter ihm steht einer mit einem Kapuzenpulli, auf dem ziemlich deutlich seine Ablehnung gegen die Polizei zu erkennen ist :) :) :)
Nun frage ich mich, warum derjenige, der für die Kampagne verantwortlich ist, ausgerechnet dieses Foto auszuwählte!? 
Ich stell mir grad vor, wie so ein politisch motivierter Sprayer nach einer langen Nacht mit vielen heimlich angebrachten ACAB-Tags durch Dresdens Straßen nach Hause schlurft und an der Haltestelle feststellen muss: "Damn it, ich bin überhaupt nicht mehr subversiv. Was früher noch 'ne Ordnungsstrafe nach sich ziehen konnte, wird heute von der Stadt selbst verbreitet." Vielleicht haben wir es ja hier mit einem kleinen Rebellen zu tun, der sich ins System geschlichen hat, um es von innen uffzumischen. Möglich wäre jedoch auch, dass der Plakat-Verantwortliche aus Nürnberg stammt und in der dortigen Regional-Presse gelesen hat, dass Acab ein beliebter türkischer Vorname ist. Der Junge auf dem Foto, der da so stolz seinen Namen auf der Brust trägt, könnte also als Quoten-Ausländer fungieren ala "Ja, wir lassen jeden Februar einen Haufen Nazis durch unsere Stadt marschieren, aber eigentlich haben wir Ausländer total lieb. Wir lassen sie sogar mit uns Sand schaufeln."

Wie auch immer - Danke!


edit dank königinnenreich: es ist nicht nur mir aufgefallen...