ausstellung 'weinbau im nationalsozialismus'

"...und wie war die ausstellungseröffnung?"
"war cool. warmer abend, wunderschöne umgebung, guter wein."

"und was hat der ministerpräsident so erzählt?"

"dass es halt dunkle kapitel in der geschichte des weinbaus gibt und man dies aus respekt gegenüber den opfern erwähnen sollte."
"überraschung, überraschung."

 
anscheinend schon! die mini-ausstellung in der hoflößnitz ist eigentlich nicht viel mehr als ein statement ala 'liebe leute, diese schönen weinberge wurden von russischen und französischen zwangsarbeitern wiederaufgerebt und terrassiert'.
anscheinend wusste das vorher keiner. und anscheinend wollte das auch keiner wissen. zumindest deutet der widerstand der "konservativen kräfte" gegen diese ausstellung darauf hin. und immerhin benehmen sich leute in einem bildungs- und kulturausschuss gar nicht mehr kultiviert, nur weil die sensationelle frau dr. giersberg fünf fotos aufhängen und darauf hinweisen will, dass das wunderschöne radebeul die gleichen geschichtlichen flecken aufweist, wie jeder andere ort in deutschland auch.

in welch einer zeit leben wir, dass es immer noch menschen gibt, die leugnen wollen, dass alle mit drin hingen? dass so manches wirtschaftliche wachstum etc. auf dem rücken von zwangsarbeitern und der enteignung jüdischer mitbürger basiert?
einige leute klagen, das thema 'nationalsozialismus' sei überstrapaziert. aber solange es noch widerstand gegen solch eine ausstellung gibt, hat bei einigen menschen noch keine auseinandersetzung mit unserer geschichte und der daraus resultierende lerneffekt stattgefunden. und ein 'überstrapaziertes' thema ist eben noch nicht überstrapaziert genug, wenn aus stolz oder bequemlichkeit oder provinzselbstverherrlichung teile der geschichte ausgeblendet werden.

ehrlich gesagt ist die ausstellung an sich kaum einen besuch wert, da es nur sehr wenige exponate aus dieser zeit gibt. aber es ist verdammt wichtig, dass dieses thema erstmalig öffentlich angesprochen wurde und der mut der unglaublich stillvollen frau dr. giersberg verdient beachtung. und es soll auch nicht unter den teppich gekehrt werden, dass sie von oberbürgermeister, ministerpräsident, kuratorium etc. massiv unterstützt wurde. auf der eröffnung hörte ich auch, dass das eigentlich problem mit der sensationellen frau dr. giersberg darin besteht, dass sie keine einheimische ist. 'kommt daher als neue museumsdirektorin und erzählt uns in ihrem perfekten hochdeutsch, dass es hier zwangsarbeiter gab. was die sich einbildet...'
gehts noch?

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