behüte meinen mund und bewahre meine lippen

ich hatte ja schon mal erwähnt, dass ich in der schule manchmal sprachlich leicht daneben greife. nicht, dass ich es grundsätzlich nicht besser könnte, aber in der aufregung, begeisterung, whatever rutsche ich öfter mal in einen leicht "restringierten code" ab, wie es der sprachwissenschaftler sagen würde. dann fließen schon mal wörter aus meinem heimatdialekt oder aus jugendsprachen ins unterrichtsgespräch ein (was durch meine herkunft bedingt ist und durch den kontakt mit schülern nicht besser wird). 
ich glaube kaum, dass das den schülern auffällt. hochdeutsch redet in dresden sowieso keiner. und wahrscheinlich kommt es den meisten sogar entgegen. vielleicht würden sie auch viel besser verstehen, was ich sage, wenn ich öfter "alter" und "scheiße" in meine aufgabenstellungen einbauen würde. 
allerdings achte ich sehr darauf, dass sprache p.c. bleibt. mir käme es zum beispiel nicht in den sinn "schwul" oder "behindert" als synonym für "dumm", "blöd" u.ä. zu benutzen, wie z.b.: "boah, ich find die schwule antwort nicht" (geschichte kl.6) oder "alter, du bist so behindert" (klassen- und fächerübergreifend). 

auf diese wortverwendung trifft man nicht nur in der schule, sondern auch bei freunden und geschwistern (!). so belaber ich zum beispiel immer meine schwester, die schon anfängt zu heulen, wenn jemand "eskimo" statt "inuit" sagt, dass sie "behindert" doch nicht in diesem zusammenhang nutzen soll. reden hat nix gebracht. aber lernen am modell. 
 folgendes geschah:
freitag hatte mein neffe achten geburtstag. sein bester freund, nennen wir ihn tim, hatte bei der geburt einen offen rücken und wasser im kopf und spitzfüße. er ist trotz allem ausgesprochen clever, aber sitzt halt im rollstuhl. nun sitzen wir alle beim kindergeburtstag um den tisch und mein neffe springt rum, schüttelt sich, quiekt, etc. (is halt aufgedreht, weil er geburtstag hat) und mein bruder fragt lachend in die runde: "kann's sein, dass hier jemand ein bißchen behindert ist?" (womit er natürlich meinen neffen meinte) ... angespanntes schweigen, dann spricht tim in vollkommener gelassenheit: "ja. ICH bin behindert. man muss sich das so vorstellen. ich bin wie ein auto, bei dem die räder..." usw. das hat der tim mit seinen sieben jahren unglaublich souverän gelöst. im gegensatz zu meinem bruder. ich lach jetzt noch über seinen absolut entsetzten gesichtsausdruck. und ich möchte hinzufügen: i told you so!


Kommentare

  1. Das wird allen Anwesenden eine Lehre gewesen sein :D Cool, der Tim. ("Cool" und leider auch "geil" sind übrigens die Worte die ich erschreckend inflationär zweckentfremdet gebrauche *hüstl*)

    In all dem Heul wegen der zerbrochenen Schüssel war ich aber dennoch froh, dass es nicht meine Lieblings-hübsch-hässliche Schüssel von meiner Mama gewesen ist - M meinte später ihm wäre es andersrum lieber gewesen :P

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  2. Männer halt ;) Aber nein, ihm war nicht bewusst, dass das meine Lieblings-Schüssel ist - jetzt natürlich schon. Das Besondere an ihm ist, dass er so ehrlich ist. Klar, manchmal tut das weh und etwas mehr Takt wäre angebracht, aber zumindest kann ich ihm vertrauen - so viel Glück hatte ich bisher noch bei keinem Mann. Traurig aber wahr.

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  3. Wie recht du hast, oftmals sind solche Wörter schon so sehr in unserem Wortschatz verankert, dass wir uns der Verwendung solcher gar nicht mehr bewusst sind. Nichtsdestotrotz grossen Respekt vor deinem Neffen ;)

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  4. @chichiboo: 1. cooler nickname! 2. mein neffe ist nicht das kind, dass behindert ist. er wirkt nur manchmal so ;)

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