thinking about...

...konsum.  
nee, ich meine nicht den edel-supermarkt, dessen name der gebürtige ostdeutsche mit kurzem 'u' ausspricht. ich meine meinen konsuuuum. vor ein paar wochen war ich mit meiner schwest bei nem vortrag vom herbert-wehner-bildungswerk, bei dem auch jemand von WELTbewusst (ehemals konsum global) gesprochen hat. und währenddessen kamen mir viele fragen. so zum beispiel: wieso besitze ich 37 verschiedene nagellacke, unter denen sich 8 grün-, 5 blau- und 7-lila-töne befinden? wieso besitze ich mehr als drei paar schuhe, obwohl ich immer nur ein paar tragen kann? wieso besitze ich 700 bücher? wie viele meiner 30 t-shirts trage ich wirklich? usw. ich könnte dann anführen, dass ich 37 verschiedene nagellacke besitze, weil ich's einfach cool finde, zu 37 verschiedenen kleidern die passende farbe zu haben. dasselbe gilt auch für schuhe. und es macht ja auch spaß und überhaupt, aber: belasten mich die vielen dinge, die ich in meinem 12m²-zimmer sammle nicht viel mehr, als dass sie mich irgendwie glücklich oder zufrieden machen? und ist mein konsum nicht vielleicht ne form von 'gekauftem glück'? und hält er mich nicht vielleicht von dingen ab, die wirklich wichtig wären? dass das letzte hemd keine taschen hat, ist ja hinreichend bekannt. 
irgendwie hab ich in letzter zeit das starke bedürfnis, ganz wenig zu besitzen, mal ganz einfach zu leben. nicht zuletzt wegen platzmangel empfinde mein ganzes zeug irgendwie als ballast. 


das ist die eine seite: mir gedanken darüber zu machen, inwiefern ich mir selbst schade. kritisch wird's aber erst recht, wenn man durch zufall und dann gleich verstärkt (so wie ich) darüber stolpert, dass meine form von komsum auch anderen schadet.  vor ein oder zwei jahren hab ich angefangen, nur noch fairtrade-kaffee zu kaufen. ich dachte mir: kostet zwar mehr, aber da trinkste halt mal bißchen weniger und dafür besser. (ähm, es lief letztendlich darauf hinaus, dass mein kaffeekomsum doppelt so viel kostet. egal). 
aber kaffee ist ja wahrscheinlich nur ne nadel im heuhaufen. 
nehmen wir mal meine shirts. ich besitze ne menge. und ich war die letzten jahre echt arm.
die besitze ich also nur, weil h&m die für nen fünfer rausschmeißt. aber wenn ein shirt nur nen fünfer kostet, weiß ich letztendlich auch, dass da nicht die menschenfreundlichsten produktionsbedingungen herrschen. denk ich zumindest. 
also ist mein konsumverhalten - nämlich das sammeln von zehn verschiedenen billigen shirts, statt mir drei teuere zu kaufen- direkt verantwortlich für weltweite soziale ungerechtigkeit.
wenn man erstmal anfängt sich damit zu beschäftigen und zu suchen, wird man irre. aber das liegt mir jetzt auf dem herzen und lässt mir auch keine ruhe. ich hab in den letzten wochen schon ein paar dinge umstrukturiert, aber der post wird zu lang und mein 'wort zum sonntag' sollte fertig sein, bevor der sonntag rum ist.


in diesem sinne
have a nice week

Kommentare

  1. Wort zum Sonntag gibt es aber immer Samstag :D
    Tja... ich denke nun gerade nach. Aber selbst auf dem Hilfiger T-Shirt, das mir, abgesehen von H&M Ware, gerade am nächsten liegt, steht Made in Turkey, wie auf ebendem aus dem H&M... und der Preisunterschied war frappant - 7,90 im Vergleich zu 39,90. Also tatsächlich würde ich sagen, bereichern die sich alle. (Und die offiziellen Fairtrade Sachen sind halt oft nicht so hübsch :() Aber da ich jetzt drüber nachdenke, werde ich mal auf Fairtrade-Produkte achten.

    Und übrigens, meine Wohnung ist auch vollgestopft mit "gekauftem Glück und ich würde mich auch am liebsten auf ein Minimum reduzieren, aber ich packe es nicht.

    LG und nen guten Start in die Woche!

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  2. ... kann ich gut nachvollziehen... für mich war´s sehr befreiend, meine sachen auf ein minimum zu reduzieren, als ich nach paris ging...

    mein schrank ist aber wundersamer weise wieder voller... und ich bin auch schon stolzer besitzer von drei blauen nagellacken...

    ... und bücher... hm... ich kann dir verraten, dass die wirklich fehlen, wenn du sie nicht um dich hast... aber aussortieren und die nächste bibliothek bereichern kann man!

    insgesamt: einfach mal ein wochenende nehmen und aussortieren... bewusster konsum ist ziemlich schwierig... aber auch in second-hand-läden/ beim sachen tauschen kann man ja schnäppchen machen... klamotten-recyclen ist doch schick ;)

    über den rest muss ich auch noch ne runde grüblen...

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  3. hach ja, ich träume auch immer wieder von einer großen ausmistaktion...
    aber wenn ich dann dabei in, kann ich mich nie trennen :(
    also brauch ich doch ne größere wohnung :D

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  4. scheisse - hab deinen Post gerade erst jetzt gelesen! wollte nicht das Thema klauen oder so....

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  5. Wir sind von Weißig aus losgefahren, hoch auf den Napoleonstein und zurück über den alten Bahndamm. Der Bahndamm wurde ja ausgebaut und es ist ein wirklich schönes Fahren. Kann ich nur empfehlen!

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  6. Danke für deinen Link, das sind wirklich die Gedanken, die auch in meinem Kopf in dem Artikel http://www.zauberhafte-elv.de/konsumismus-als-religion-der-modemadchen/ waren. Sein eigenes Glück kaufen und auch überlegen,w as man der Welt damit antut. Gerade als ich in Amerika war und nichts anderes zu tun hatte, war das unglaublich. Vielleicht gehört das zum Erwachsen werden, vielleicht ist es aber auch ein Erwachen, das nicht jeder hinbekommt.

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