all they need is love

nach einer langen pause, die erst durch die ferien, dann durch den mühsamen wiedereinstieg ins arbeitsleben und nicht zuletzt durch die feierlichkeiten zum ende der fastenzeit (40 tage ohne alkohol) bedingt war, melde ich mich wieder mit neuen, idealistischen theorien über die jugend von heute.

wie ich bereits erwähnt habe sind schüler in der ersten woche nach den ferien uuuuunerträglich. deshalb hab ich in der ersten woche kaum MIT ihnen gearbeitet, sondern mehr aufgaben zusammengestellt, an denen sie selbst arbeiten müssen. wenn sie ununterbrochen beschäftigt werden, kann keiner freidrehen.
dadurch, dass ich selbst eher beobachter war und weniger selbst agieren musste, hatte ich innerhalb des unterrichts viel mehr zeit, mich um einzelne zu kümmern. und dabei hatte ich ein unglaubliches erfolgserlebnis.

in der 5. gibt's nen typ, nennen wir ihn mal anton, der gerade erst an unsere schule gekommen ist, weil er von einer anderen geflogen ist und der gemeinhin als schwierig und auch nicht besonders clever gilt: hat sein zeug nie dabei, arbeitet nicht mit and so on. als aber die schüler am freitag in der 7. (!) stunde an ihren aufgabenblättern zu den olympischen spielen gesessen haben, bin ich ab und an bei ihm vorbeigegangen, hab mich erkundigt, wie es läuft, tipps gegeben, lob ausgeteilt und siehe an: der junge hat alle aufgaben gelöst (und auch noch richtig-ich pack's nicht), war unglaublich motiviert und hat mal eben ne eins als stundenleistung abgesahnt. dazu muss ich sagen, dass am freitag nur 16 von 24 schülern anwesend waren. 

was lernen wir daraus? 
wenn dieser beschissene staat mal einen haufen kohle investieren würde, um mehr lehrer für viel weniger schüler anzustellen und wir 15-mann-klassen hätten, könnten wir fast jeden retten. wenn nächste woche wieder alle 24 schüler da sind, von denen 6-7 schüler vom kaliber antons sind, ist das alles wieder hinfällig. weil ich mich bei so einer riesen-klasse maximal um zwei solcher granaten kümmern kann. 

wie sieht die zukünftige entwicklung aus?
sachsen will alle förderschulen, in denen schüler mit problemen in winzigen gruppen von mindestens zwei pädagogen betreut werden, schließen und die kids in mittelschulen stecken. nicht, damit diese schüler durch ihre ausbildung an einer sonderschule nicht stigmatisiert werden, nein- wer hätte das gedacht- es geht hier ausschließlich um kostengründe. noch größere klassen mit noch problematischeren einzelfällen, die dadurch auf jeden fall vom tellerrand rutschen.

was kann man machen?
ey, wenn mir was besseres einfallen würde, als vor lauter wut das kultusministerium mit faulen eiern zu bewerfen - ich würd's machen!

Kommentare

  1. Und 24 ist noch wenig -.- In meiner Gymi-Klasse waren zu keinem Zeitpunkt weniger als 30 Schüler.

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  2. ... schön, dass du wieder da bist ;)

    glückwunsch zum erfolgserlebnis... der rest... arf - ich versteh nicht, warum immer von bildung als wichtigstem rohstoff gesprochen wird, wenn damit nicht bildung für alle gemeint ist... traurig!

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  3. Sehr interessant und absolut nachvollziehbar.

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  4. Leider hängt es immer wieder nur am Geld. Es ist doch überall so! Traurig traurig....

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  5. naja, es kommt im momentanen zeitgeist eben nicht darauf an, einzelne oder alle zu retten, sondern das prinzip des freien wettbewerbs am laufen zu halten. dieser funzt nur, wenn man sich nicht zu dolle in das sog. freie spiel der kräfte einmischt.

    Unterstützung, solidarität mit schwächeren etc. wären aber eine solche einmischung und nur teures samaritertum.

    Eier gegen das Kultusministerium sind eine gute Idee, denk aber bitte auch an die Veganer_Innen, die dort arbeiten. ;)

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  6. Da steht "Lean do chroí", was gälisch ist und so viel wie "Folge deinem Herzen" bedeutet :)

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  7. Lalli Jungs = Männer ohne Ecken und Kanten

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  8. Ich bin beeindruckt von meiner Tochter und sehr stolz auf sie.m

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