the joys of motherhood part 5: wie stalin mein kind auf die welt holte


(aus gegebenem anlass gibt's heut mal viel text. macht euch vorher ein bier auf. ihr dürft ja.)

es war freitag abend. ich war megamies drauf und mir war übel. das und der dosenfisch vom vorabend, der mir immer wieder aufstieß, bewegten mich dazu die notaufnahme des nahegelegenen krankenhauses aufzusuchen. hochschwanger und fischvergiftung muss ja nich sein und so verabschiedete ich mich von meinem mitbewohner mit den worten: "ich schnick mal fix im krankenhaus vorbei, um abzuchecken, dass es nix ernstes ist. bis dann gleich." ich sollte ihn für lange zeit nicht sehen... (an dieser stelle müsste eure fantasie dramatisch-gruselige musik einspielen)

im krankenhaus wurde ich trotz heftigen protests ("nein, nein, nein, ich will nicht in den kreißsaal") sofort von der notaufnahme auf die entbindungsstation geschickt. ein böses omen. dort wurde ich verkabelt und an's CTG* gehängt. da lag ich nun: den ganzen tag nichts gegessen, festgebunden an das sch***gerät und im hintergrund eine geräuschkulisse, die an ein schlachthaus erinnerte. in den entbindungsräumen rechts und links neben mir brachten zwei frauen gleichzeitig ihr kind zur welt. ständig wurde nach den ärztinnen gerufen, die dann panisch den gang rauf und runter stürmten. während mir aus mitleid für diese armen kreaturen (also die entbindenden) die tränen über's gesicht liefen, dachte ich: zum glück hab ich noch zeit und - zum glück entbinde ich nicht hier.

dies war meine feste überzeugung, während ich drei stunden am CTG hing, auch wenn ab und an mal jemand reinkam und bemerkte, dass die werte nicht besonders gut sind. kurz vor 22 uhr hieß es dann, dass ich zur beobachtung über nacht da bleiben solle und dass ich gleich was zu essen kriege. ich atmete auf. doch dann ... (musik wieder an) ... betrat stalin den raum, ihres zeichens oberärztin der geburtenstation. selbst aus zwei meter entfernung konnt ich ihren schnurrbart sehen. sie stellte sich nicht vor (weshalb ich ihr selbst einen namen geben musste), würdigte mich keines blickes, schaute auf das CTG und sagte in stark slawisch eingefärbtem deutsch: "das is nisch gudd. jetzt gibbt es nisch essen. wir machen einen kaiserschnitt."
"BITTE WAAAAS??? ich lieg seit mittlerweile vier stunden hier rum und die ganze zeit stand nie zur debatte, dass... das könnt ihr vergessen ...  ich... nein... okay, wenn's sein muss..." dann brach ich unter schluchzen zusammen, während der raum plötzlich voller leute war, die mich umzogen, auf einen fahrbaren untersatz bugsierten und mich richtung op-saal schoben...

auf dem weg dahin versuchte ich den psalm 23 zusammenzubekommen, den ich ununterbrochen vor mich hin brabbelte, während mir irgendwelche dioden, infusionen, katheder usw.  gelegt wurden. als zehn minuten später die betäubungsspritze in mein rückenmark gerammt wurde, war ich schon wieder herr meiner nerven und erzählte den anwesenden, dass 60 minuten kaiserschnitt-op mit zehn professionellen ärzten kaum so schlimm sein können wie 80 min deutsch mit der hauptschulgruppe.

ich sollte recht behalten. keine 45 min nachdem stalin das wort 'kaiserschnitt' unter ihrem schnurrbart herausgepresst hatte, hörte ich -ganz ohne pressen- den ersten schrei von little tobit. und gleich darauf brachte jemand von der anderen seite des vorhangs ein filmreifes, kleines baby vorbei (merke: kein geburtskanal - kein knautschgesicht!).
weil es ihm nicht so gut ging, wurde er, nachdem ich ihn per geruchstest als mein kind identifiziert hatte, raus zum kinderarzt gebracht. alle anwesenden gratulierten mir - alle, außer die stahlharte stalin. dafür hat sie mich danach aber wieder fein zusammengeflickt.  
спасибо.

 ps: wer glaubt, der kaiserschnitt wäre der schmerzfreie weg, um ein kind zu bekommen, dem soll gesagt sein: am tag darauf, spätestens wenn man von einer völlig *+§$*&/%%$*** physiotherapeutin aus dem bett gezerrt wird, öffnen    sich    die    pforten    der    hölle!!! ich gebe zu, dass die natur mir ein schnippchen geschlagen hat- mein körper hat die schmerzen schon wieder vergessen. aber jetzt schlage ich ihr ein schnippchen, indem ich dies hier niederschreibe und es mir immer wieder durchlese, falls ich eines tages auf die bekloppte idee kommen sollte, noch ein kind zu bekommen. als ich mich am dritten tag zum ersten mal alleine aus dem bett quälte und von den ärzten der visite dafür gefeiert wurde wie ein kriegsheld, meinte stalin übrigens nur verächtlich, dass dies drei tage nach der op kein kunststück sei...

pps: wer es politisch inkorrekt findet, eine frau aufgrund äußerer merkmale und einer gewissen härte mit einem diktator zu vergleichen, dem soll gesagt sein: is vollkommen richtig. aber zieht euch mal folgenden dialog zwischen stalin und schwester blägvieh* rein, den ich einige tage später auf dem gang verfolgte.

stalin schreit mich an: "sind sie völlig wahnsinnig? hier mit nackte beine rumlaufen? ziehen sie sich sofort was über." (ich glaub, sie mag mich!)
schwester blägvieh: "hier isses doch ne kalt. solche temperaturen müssten se doch von dorte undn, wo se herkomm, geweehnt sein."
stalin: "aber hier ist draußen minus vierzehn grad. das bin ich nisch gewöhnt."
schwester blägvieh: "naja, se sinn ja och schon ne weile hier bei uns im zivilisiortn teil dor welt."  
...sprach die schwester zur oberärztin...



*(Cardiotokographie, Abkürzung: CTG, bezeichnet ein Verfahren zur simultanen Registrierung und Aufzeichnung der Herzschlagfrequenz des ungeborenen Kindes und der Wehentätigkeit bei der werdenden Mutter. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kardiotokografie)
* bläken, bläk´n, blägen: auch im Sinne von anblägen, jemanden anschreien oder auch jemanden hinterher rufen “Kannste dem ma hinnerher blägen, der is schon fort!”, “Bläg mich nich so an!” (Quelle: http://mtwv.de/wordpress/?p=627)

Kommentare

  1. der gelungenste frauentagspost, den ich heute gelesen habe!

    ich finde es im übrigen wenig schlimm, wenn du der dame diesen namen verpasst... jeder normale mensch weiß, dass du ihr nicht unterstellst, ebenso ein mensch zu sein... was den vergleich hervorgerufen hat, erklärst du ja auch... mir hilft es mir in etwa ein bild zu machen und ich hätte dir wirklich ein wenig liebevollere begleitung gewünscht :)

    little tobit hat eine tapfere mama!

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  2. wow, du hast dich durchgequält. thx.
    btw: falls das nicht rüber gekommen ist- ich mag stalin. die oberärztin, nicht josef.

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  3. herrlich, oh mann. eigentlich eine harte story, aber du hast sämtliches mitleid verspielt (im positiven sinn) mit deiner humorvollen schreibe :p

    stalin for president!

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  4. hui, klingt ja aufregend :)
    ich hoffe dem kleinen Sohnemann geht´s jetzt wieder gut?

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  5. @ pit: hey - danke für die ungemein aufbauenden glückwünsche auf eurer gemeinsamen karte. die hab ich ja wohl insgesamt dir zu verdanken, oder?

    @schubidu: der kobold hatte ein paar startschwierigkeiten und wir mussten ein bißchen länger im kh bleiben, aber mittlerweile ist er fit. und fett.

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  6. ohhhhhhhhhhhhh, neee, sag nicht kaiserschnitt tut nachher weh. sowas will ich nich hören. :oDDD
    super lustige story. was passierte denn nachher? wie hast du deine leute informiert?

    stalin und schwester konversation ist unglaublich. :oD

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  7. @ lilly: ohne scheiß- vergiss den kaiserschnitt. ich bin noch ne woche später mit waagerechtem oberkörper gelaufen. don't do it!
    nach der op haben mir zwei nette anästhesisten gesellschaft geleistet, bis ich meine beine wieder spüren konnte. und irgendwann weit nach mitternacht brachte mir jemand ein handy- zur freude aller, die mitten in der nacht aus dem schlaf gerissen wurden.

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  8. Oh wooooooooooow, WAHNSINNSTEXT! Ich hab Gänsehaut *g* Oh Mann, ich hätte nur geheult, ich hätte das nicht allein geschafft. Chapeau! Und zum wiederholten Male, alles Gute für euch :)

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  9. @steph könnte man so sehen, aber N. + C. waren zuerst mit der Idee der Karte+Geschenk am Start :)

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  10. waardenburg? ich hoffe, du meinst das nicht ernst?

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  11. Ja, in Krankenhäusern können sie schon rapiad sein. Ist für die halt tagesgeschäft - die Frau mit der Spritze im Rückenmark hieß bei uns Anästhesiedrachen. Die hat mich behandelt wie einen Gaul der verkauft wird. Echt mal. Und Kaiserschnitt? Ich weiß nicht wie man sowas freiwillig machen kann.
    Alles Gute für Dich und den Kleinen.
    LG
    Kerstin

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