the sorrows of motherhood

Ich kann mich ja nicht beschweren. Der Himmel hat mich mit einem ausgesprochen fröhlichen und pflegeleichten Kind gesegnet. Und obwohl ich das bin, was man alleinerziehend nennt, bin ich nie wirklich allein. Und alleine erziehen muss ich schon gar nicht. Da sind ja nicht nur Freunde und Familie, die ihren Teil beitragen. Letztens wies mich sogar eine mir unbekannte ältere Dame auf der Straße darauf hin (und zwar energisch), dass mein Kind gerade im Tragetuch erstickt, während ich hier durch die Stadt schlendere. Welch ein Glück, dass sie mit offenen Augen durch die Welt geht -.- Abgesehen davon ist es aber ziemlich gut, dass alle Welt irgendwie hilft/ Rücksicht nimmt/ etc., sobald ein Kind im Spiel ist. Insofern merke ich so gut wie nie, dass meine Familie (bestehend aus Tobit, mir und meiner Schwester, die wohnt nämlich bei mir) anders ist als die Familie der anderen Frauen um mich her (bestehend aus Kind, Mutter und Vater).  

Aber manchmal, in ganz bestimmten Situationen bemerke ich es doch. Ich erinnere mich, wie alleine ich mich auf den Weg in den OP gefühlt habe. Noch schlimmer war es danach, weil ich niemanden anrufen konnte, der sich genau so sehr über das Kind freut wie ich oder zumindest so sehr, dass ich ihn mitten in der Nacht aus dem Bett klingeln kann. Ich hab dann meine Eltern angerufen (das war lustig) und ein paar SMS verschickt. Manchmal, wenn ich Tobit auf dem Arm trage, drei Einkaufstaschen in der einen Hand habe und mit der anderen die Tür aufschließe und ausgerechnet in diesem Moment spuckt mir Tobit die komplette letzte Mahlzeit in vergorenem Zustand über die Schulter und ich merke, wie mir diese ekelhafte Pampe den Rücken runter läuft - dann möchte ich auch nen Mann haben. Der mir Kind und Kram abnimmt und an dem ich meine Wut auslassen kann, denn das Kind steht unter Naturschutz und meine Schwest ist zu zerbrechlich.

Die letzte Woche war gespickt von solchen Situationen. Nicht nur, dass diese Woche datumstechnisch emotional äußerst aufgeladen ist. Dann war auch noch die Schwest mit Freund im Urlaub (was mich unangenehm daran erinnert, dass sie nicht auf Dauer Teil unserer Familie sein wird). Und ich war krank. Kopfschmerzen, Hals geschwollen und ich wollte einfach nur den ganzen Tag schlafen. Tobit aber nicht. 
Zwei Tage später war Tobit krank. Statt mit den Armen zu rudern und Arien zu quieken, lag er ganz apathisch in unserem Bett und wimmerte vor sich hin. Es war herzzerreißend. Den ganzen Tag konnte ich keinen Zentimeter von ihm weichen, ohne dass er angefangen hat furchtbar zu weinen. Um Mitternacht ist er dann nochmal total ausgerastet. Vor lauter Halsschmerzen, Fieber und Müdigkeit ließ er sich gar nicht mehr beruhigen. Da stieg kurz Panik in mir auf. ...Was, wenn er nicht aufhört? Was, wenn es was Ernstes ist? Es ist mitten in der Nacht und ich bin todmüde. WAS, WENN ICH NICHT MEHR KANN???
Ich glaube so allein wie in dieser Nacht habe ich mich in dem letzten halben Jahr noch gar nicht gefühlt. Ich hab dann tief Luft geholt, mich zusammengerissen, dem Kind (zum allerersten Mal) ein Fieberzäpfchen in den Hintern geschoben und zehn Minuten später haben wir beide friedlich geschlummert.

Am nächsten Tag war ich beim Italiener an der Ecke Mittageessen. Nach dem Essen kam der Chef und meinte (mit Akzent lesen): Die Kleine hat gestern Nachte geschrien, ja? Ich habe gehört und gedacht: Arme Stephanie, hat Nachtwache!" 
Ich sag doch: Alleine bin ich eigentlich nie.

Kommentare

  1. oha...momentan könnte ich ja gern "herhalten" als anlehn-ersatz... und friedy meinte, dass ich gern gäste haben darf ;)

    zumindest als babysitter für durchschlanächte würde ich mich gern anbieten ... aber da bin ich wohl nicht die beste adresse?

    quatschen wir mal morgen ausführlich!!!

    ich bin morgen mit der zeit nicht total sicher, aber ich melde mich einfach, falls ich halb drei nicht schaffen sollte... vielleicht halten meine eltern mich ja doch noch länger fest :D

    ich freu mich!

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  2. Das klingt traurig und auch süß :)

    Ich wünsche dir nun erst mal gaaaanz viele entspannte Tage und Nächte, in denen du dich nicht alleine fühlst.

    LG Ina

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  3. Hach ja... ich dachte schon nach den Geburtsbericht damals, dass ich das "allein" nicht gepackt hätte und habe dich so sehr bewundert. Aber jetzt, wo du genau das Gegenteil sagst, nämlich dass "allein" nicht zwangsläufig der beste Zustand des Universums ist, auch wenn es viele Freunde gibt, bewundere ich dich noch mehr :) Schade, dass ich nicht näher wohne, denn genau wie Julia, wäre ich durchaus bereit Nachtwachen mit zu machen und dich unterhalten oder bei deinem Kleinen zu sitzen und zu lesen, während du einkaufen gehst oder anderen noctwendigen/unnötigen Kleinigkeiten nachgehst. Tragetüten würde ich dir auch noch tragen. Sagt sich so leicht, da ich sowieso völlig außerhalb deines Aktionsradius lebe, aber es wäre ganz sicher so. Promise. Eines Tages wird es sicherlich auch wieder einen "Papa" für Tobit geben - der soll dir dann zumindst das Einkaufen abnehmen ;)

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  4. Ich plädiere für ein Bloggerdorf. Da hätten wir uns alle lieb und würden uns helfen. Ich ersaufe oft in meinem Wasserglas, weil ich letztendlich ganz alleine und auf mich gestellt bin. Aber das alles noch mit einem Kind !!! Ich habe so viel Respekt vor dir !!!

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  5. Ihr seid ja alle ganz bezaubernd!

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  6. Hut ab Steph! Ich finde es wirklich bewundernswert, wie du das alles hinbekommst.

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  7. vielen dank für dieses kompliment. ich kann nicht leugnen, dass so ein schulterklopfer dann und wann sehr gut tut.

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  8. hey ich kann auch gut Schulterklopfen!!
    außerdem kommen heute die neuen Holzlatten ür die Hollywoodschaukel.. weiß zwar nicht ob wir die anzubauen schaffen, aber die alten halten ja auch noch ein bisschen und wenns zu kalt ist kann man im Wohnzimmer sitzen.... also kommste mal rüber heut Abend?!

    (ich muss grad BA schrieben... also irgendwie... bin deswegen unter der Woche aber auch fast immer zu Haus und hab öfter noch ein Plätzchen und ein Stündchen für so einen wundervollen und manchmal nörgelnden Krümel und/oder seine liebreizende Mama)

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    1. oh, ihr habt meiner schaukel also ein zuhause gegeben? wie cool. vor dem doe-balkon steht der baum in voller blätterpracht, deshalb hab ich gar nicht gesehen, dass sie nicht mehr dort steht. den besuch müssen wir leider auf nächste woche verschieben. wir fahren übers we nach hause und vorher schaff ich's nicht mehr. okay?

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