immer wieder sonntags

Ich liebe Rituale. Oder besser: ich brauche sie. Um klarzukommen. Erst recht seitdem kein Referendariat mehr meinen Alltag strukturiert. Es gab da mal jemanden in meinem Leben, der zwar mit Vorliebe Rituale erschuf, sie dann aber ständig einriss. Und er dann so: "Ich mach am Sonntag dies und jenes." Und ich so: "Sonntag? Aber sonntags machen wir doch immer das". Und er dann so: "Hä? Wir müssen doch nicht jeden Sonntag..." usw. Wir hätten gegensätzlicher nicht sein können. Was dem einen die Zwangsjacke, ist dem anderen eine Umarmung. 
Es ist nichts so, dass ich festgefahren und nicht offen für Neues wäre. Im Gegenteil. Aber jede Woche so ganz ohne Plan, ganz ohne etwas zu beginnen, worauf man sich freut, das bekommt mir nicht. Ein Grundgerüst an Ritualen gibt mir Stabilität. Nicht zuletzt, da diese festen Events auch mit bestimmten Menschen verknüpft sind, die ich dadurch regelmäßig sehe.

Da jetzt ein langer, dunkler, einsamer Winter vor mir liegt, in dem ich wieder niiirgends hingehen kann, weil in Dresden üüüberall geraucht wird und ich Tobolino immer im Gepäck hab, hab ich mir wieder ein paar Motto-Tage und Themenveranstaltungen zusammengestellt, um diese Zeit des Jahres heil zu überstehen.

Der Klassiker ist der Tatort am Sonntag, spätestens seitdem er in jeder zweiten Kneipe gezeigt wird. Ich schaue ihn zu Hause, aber nur, wenn andere Leute dabei sind, und nur, wenn es nicht um Kinder geht (is so ein Muddi-Syndrom).  
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Mittwochs ist Stricken für den Weltfrieden. Zum nächsten 13. Februar werde ich meinem Sohn zuliebe auf Straßenschlachten verzichten und stattdessen einen Strick-Pulli über einen Panzer ziehen. Dabei handelt es sich um eine Aktion des Louisenkombinahts, bei der es in erster Linie darum geht, dass sich jede Woche Leute beim Stricken zusammenfinden und über die Kriegserfahrungen der älteren Teilnehmer sprechen. (Genaueres gibt's hier zu lesen und hier ab Minuten 15 zu sehen). 
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Ganz neu eingeführt habe ich den Fünf-Geschwister-Gedächtnisabend. Wer christlich sozialisiert wurde, kam an den Fünf Geschwistern wahrscheinlich nicht vorbei- ein christliches Pendant zu TKKG oder Fünf Freunde. Ich bin im Besitz aller zehn Hörspiele und die werden wir uns jetzt über den Winter reinziehen. Wir fanden die Bücher und Hörspiele als Kinder megacool und megaspanndend. Jetzt amüsieren wir uns über die meist ziemlich plump eingeflochtenen Missionsversuche und die obligatorische Bekehrung in fast jeder Folge. Trotzdem oder gerade deshalb: Die Fünf Geschwister sind ganz großes ... Hörspiel :)


Und auch neu: der ChickFlick-Sunday. Eigentlich gehe ich ja sonntags immer zum Gottesdienst. Aber einmal im Monat gibt es statt dem normalen Programm ein Gemeindebrunch, damit sich die Leute untereinander unterhalten und kennenlernen können. Coole Idee, aber niemand, wirklich niemand, hat was davon, sich morgens mit mir an einen Tisch zu setzen. Meine Mutter hat früher im Bett gewartet, bis ich die Haustür von außen geschlossen hab, weil sie sich vorher nicht in die Küche getraut hat... Aus diesem Grund hab ich einen Sonntag im Monat frei und hier setzt der ChickFlick-Sunday an. Ich verbringe diesen Vormittag 1. im Schlafanzug, 2. in einem Haufen aus Decken und Kissen, die ich auf den Boden ausgebreitet habe, 3. mit mehr oder minder schlechten Frauen- und Teenie-Filmen. Gott sei Dank (und das meine ich wörtlich) hab ich ein Kind, dass sich für sowas auch begeistern lässt. Ich hab das Ritual gestern eingeführt und ich kann es bedenkenlos weiterempfehlen. 



Ein Ritual, das ich gerne einführen würde, ist ein wöchentlicher Besuch auf dem stadtteileigenen Wochenmarkt. Ich könnte dann nicht nur gute Sachen kaufen, sondern auch Nachbarn und Bekannte treffen und Gespräche führen wie: "Na, wie geht's dem Ischias?"  Ich stelle mir das so Starshollow-like vor. Um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen, brauche ich allerdings eure Unterschriften. (An dieser Stelle würde ich mich gern über die Eingangsformulierung der Petition auskotzen, aber das sprengt hier den Rahmen.)


So. Ihr wisst, die Woche hat sieben Tage. Und ich hab hier nur vier Rituale vorgestellt, von denen zwei auch noch auf einen Wochentag fallen. Was sind eure Lieblingsrituale? Inspiriert mich! 

Kommentare

  1. Sonntag Tatort ist für mich auch ein totales Muss. Egal ob gut oder schlecht. Gehört für mich dazu! Nur die Thomalla mag ich nicht -.-

    Ich mach mir sonntags die Nägel! Aber das war's mit Ritualen bei mir ist eh ejder Tag voll mit Terminen -.-

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    1. ich hab eigentlich nix gegen die thomalla, aber ich fänd's viel cooler, wenn die im sachsen-tatort jemand hätten, der dialekt spricht. (liebes tatort-team, ich würde mich dafür hervorragend eignen!)
      mit nägel-machen ist meine sonntags-liste jetzt endgültig voll.

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  2. vier sind schon gut, finde ich... deinen freien sonntag mag ich besonders :)

    ein gutes ritual wäre vielleicht noch skype-france o.O ?

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    1. dafür müsste ich erstmal mein skype-login wiederfinden...

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  3. Samstags in die Stadtbibo am WtC um Videos zurückzugeben und neue auszuleihen.

    btw. kommste am kommenden Dienstag zum Filmgucken? Kommt "whatever works" von Woody Allen.

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    1. das is'n cooles ritual! machst du das jeden samstag? wir sollten uns davor/danach mal auf nen kaffee treffen. is ja gleich um die ecke.

      dienstag abend bin ich dabei. nachdem ich auf deine empfehlung hin "im bann des jade-skorpions" gesehen und für gut befunden habe, hätte ich woody allen auch noch ne chance gegeben ("stadtneurotiker" war nicht so meins). ich hoffe, der schweizer hält was du versprichst. bisher hab ich nur tatorte aus der schweiz gesehen und die fand ich echt kacke.

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    2. ja jeden. sonst wird's teuer (nachzahlgebühr). kaffee am samstag gerne. wo denne?
      der "sommersandtraum" ist wirklich herzig.

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    3. mmh, diesen samstag gehts bei mir nicht, aber wenn du das immer samstags machst, klappt es bestimmt nächste woche!? btw:ich habe festgestellt, dass die neue schweizer reihe jetzt wieder auf dem dienstag liegt -.- da hab ich doch haaaauskreis... ein ritual, auf das ich auf dauer nicht verzichten kann.

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    4. Zeit für eine Ritualreform!

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  4. Ich habe leider viel zu wenig Rituale, wenn man mal vom Joggen absieht. Aber ich mache seit 2008 jeden Morgen die Fünf Tibeter. Weniger, weil ich glaube, dass das der ewige Jungbrunnen ist als die das verkauft wird, sondern, um ein kleines bisschen Struktur in meinen Tag zu bekommen. Damals hatte ich mich gerade von meinem inzwischen Ex-Mann getrennt, war allein in einer WG in Kopenhagen und hatte keinen Schimmer, wie es weitergeht. Da hat das echt geholfen und wenn ich sie mal nicht mache – kommt alle paar Monate mal vor – fühle ich mich gleich weniger gut. Aber ich bräuchte auch solche wöchentlichen Rituale mit Freunden, wobei der Freundeskreis hier in Schweden noch etwas spärlich ist. Es kommt nur ständig immer irgendwas zwischen alles. Vielleicht sollte ich mal daran arbeiten.

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    1. die fünf tibeter musste ich erst mal googeln. interessant. ein morgenritual fehlt mir noch und das macht mir oft zu schaffen. ich verlier mich morgens oft in irgendwelchen dingen und dann geht der tag nicht richtig los.
      du sprichst einen wichtigen punkt an: wenn was schlimmes passiert (wie z.b. ne trennung), sind es oft stur ausgeführte rituale, die einem 'am leben halten.'

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  5. wie lange geht das am Mittwoch im Louisenkombinaht eigentlicht? 15:00 ist arg früh. Ansonsten hört es sich gut an und ich such grad nen regelmäßigen Stricktreff.
    Ansonsten hab ich eher keine Rituale, was eigentlich schade ist und dazu führt das man mehr Zeit damit verbringt sich immer wieder neu zu überlegen was man eigentlich machen will soll muss oder darf.

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    1. ist richtig. wenn man so ganz 'frei' ist, fühlt sich das manchmal auch nicht gut an bzw. ist es anstrengend, den freiraum immer auf's neue sinnvoll zu füllen.
      der stricktreff beginnt um 15uhr und geht letztendlich so lange, wie leute da sind. aber auf jeden fall so lange, wie der laden auf hat und das ist (glaub ich) 20 uhr. allerdingsa ist das kein 'handelsüblicher' stricktreff, denn gestrickt wird nur für den panzer.

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  6. Da hast Du ja schon ganz schön viele Rituale. Mein tägliches Ritual ist, die Kinder Abends ins Bett zu bringen und sich zu freuen, wenn endlich Ruhe ist. ;-)
    Ansonsten habe ich keine wochenweisen Dinge, die ich mache, sogar der Sonntagskrimi ist im Moment nicht angesagt.
    LG
    Kerstin

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    1. oh ja, die ruhe nach dem bettbringsturm finde ich auch wunderbar.
      ich hab heute an dich gedacht - ich bin durch pieschen spaziert (da wohnst du doch, oder?) und hab etliche handarbeitsläden gesehen. scheint ne gute ecke für craftistas zu sein!?

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  7. Na das ist doch mal ein Wochenmarktpost ... Hut ab und in meine die-Welt-besser-machen =Top10 Grüner Faden-Liste bist du nun auch gelandet :-) Man sieht sich ...

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    1. nach ewa zehn mal lesen fiel der groschen. danke-ich fühl mich sehr geehrt!

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  8. Du könntest ritualsmäßig hier eine Montag-Danach-Tatort-Besprechung ins Leben rufen :D

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    1. was für ne saucoole idee! das sollte ich tatsächlich tun!

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    2. *yay* Ich freu mich dann schon mal auf den kommenden Montag! Das Stuttgarter Team mag ich, Natalia Wörner kann ich nicht sehen - das wird wieder interessant, denn dann bin ich eh schon voreingenommen :P

      Ich bin übrigens absolut dafür das HIER zum Montagsritual zu machen, bei mir würde nur wieder über Sinn und Unsinn des Tatorts ansich diskutiert und darauf hab ich keine Lust :D

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  9. 5 Geschwister - jaaaa! :-D Wir haben das früher nachgespielt mit meinen Geschwistern. :-) Spannend sind die auf alle Fälle.

    LG Doro

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    1. oh ja, nachgespielt haben wir das auch. haha. man kann sie sich übrigens auch bei youtube anhören!

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