b4y: hermann hesse 'der steppenwolf'

Den 'Steppenwolf' hatte ich um das Bergfest meiner Schwangerschaft herum angefangen und bin dann bei der Hälfte hängen geblieben. Ich hatte mich voll und ganz in die von Verzweiflung und Ausweglosigkeit geprägte Gedankenwelt des Steppenwolfes hineinbegeben und bezweifelte, dass er und ich da irgendwie wieder rauskommen und das Buch jemals auf dieser Seite landet. Aber vor ein paar Tagen habe ich mich noch mal in seine Abgründe begeben und siehe an: Ab der Mitte des Buches wurde er plötzlich aufgescheucht und wir rasten zusammmen zum Ende (welches ich hier offenhalten muss).

Ich sehe noch meine ehemaligen Kommilitonen vor mir, wie sie anfangen geistreiche Dinge zu sagen, sobald das Thema auf Hesse kommt. Ich würde das jetzt auch gerne tun, aber daran scheitere ich heute noch genauso wie damals.
Vor Kurzem erählte mir eine Freundin, dass es ihr in ihrer Jugend unglaublich auf den Sack ging, dass ihr immer wieder Männer mit wichtiger Miene mitteilten, sie seien "so vom Typ her ein Steppenwolf." Was mich daran am meisten verwunderte, war, mit was für Leuten sie in ihrer Schulzeit zu tun hatte. Die Jungs, die mit mir im Deutsch-Leistungskurs saßen, waren meilenweit davon entfernt, sich über eine literarische Figur zu profilieren. Wirklich meilenweit. Ich erinnere mich an Daniel K., der in einer Klausur über Theodor Fontane schrieb, Effi Briest sei eine karrieregeile Eisprinzessin gewesen, die ihren warmherzigen Ehemann das Leben schwermachte. (Da hat er wohl eine sehr lose am Original orientierte Verfilmung gesehen.) However- selbst nach einem Germanistikstudium kann ich nichts smarteres zum "Steppenwolf" sagen als: Das Buch hat mich wirklich beschäftigt, vielleicht sogar an mir gerüttelt. Wenn ihr eine bessere Rezension schreiben wollt: Hinterlasst mir einen Kommentar und das Buch gehört euch. Sofern es nicht mehrere Interessenten gibt- dann entscheidet das Los.

Kommentare

  1. Wir haben das im LK gelesen - freiwillig, off Lehrplan. Lieblingsbuch des Lehrers. Ich konnte gar nichts damit anfangen. War mir zu wirr uns synthetisch. Unsere Jungs fanden es aber toll. In meiner Arbeit zum Thema hatte ich dann erstaunlicherweise eine 15... müsste die mal suchen und schauen was ich überhaupt geschrieben habe^^

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    1. da könntest du mir ja mal ne kopie zukommen lassen :)

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  2. Ich sollte es zumindest mal lesen, immerhin hab ich auch Germanistik studiert, zumindest im Nebenfach. Darf man also niemandem erzählen, dass man da eine "Lücke" hat, aber ich habe diesen ausgesprochenen Widerwillen gegenüber allem, was alle Welt liest oder findet, dass man es gelesen haben muss (außer bei Krimis, da gilt die Regel aus irgendwelchen Gründen nicht). Ich habe ziemlich viel von Goethe gelesen, inklusive völlig unbekanntem Kram, aber um "Faust" hab ich mich immer rumgedrückt. Dass ich "Herr der Ringe" weder gelesen, noch als Film gesehen habe, sehen auch einige als Bildungslücke an. Was ich aber gelesen habe, ist "Effi Briest" und ich musste über Deinen Kommentar gerade sehr lachen. Gelesen hab ich übrigens kürzlich auch den "Hundertjährigen, der aus dem Fenster etc.", das wäre auch so ein Kandidat gewesen, den ich vermutlich niemals angerührt hätte, wenn ich nicht gerade ausschließlich schwedischsprachige Romane lesen würde (um besser zu werden) und Joakim das Buch nicht auf einem Stapel im Müllraum gefunden hätte (was die hier alles wegwerfen... Vorgestern habe ich z.B. eine Orchidee gerettet. Wieso wirft man die weg? Nur, weil die gerade nicht blüht?) UND es außerdem zuerst gelesen und für gut befunden hätte. Jetzt bin ich froh, es gibt wohl doch zuweilen gute Gründe, weshalb Bücher auf Bestsellerlisten landen.

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    1. wie's aussieht zieht's den steppenwolf nach schweden! lass mir doch deine kontaktdaten zukommen, dann geht er im neuen jahr auf die reise!

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    2. Ach, deswegen hab ich den Kommentar nicht hinterlassen. Schick das Buch gern jemand anders, ich kann mir den auch kaufen. Wenn ich allerdings hier die einzige bin, die diese Bildungslücke hat, nehm ich ihn Dir natürlich auch ab. Aus gegebenem Anlass: Alles Liebe und Gute für 2013 und einen guten Rutsch!

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  3. ach, der hesse... ich hatte da mal so ne phase. bestimmt auch von so nem intellektuellen pseudo-philosophen angesteckt. und plötzlich hatte ich alle bücher... und den zitateband, und die hörbuchaufnahmen (wie schlecht!) und den kalender (danke, mutti)

    bin gespannt, wie du den loswirst :D

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    1. Die Hörbuchaufnahmen habe ich auch mal probiert und fand sie Laaaangweeeeiiiilig.

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    2. @ julia: oh mann, du hattest ne hesse-phase? ich hatte ne kelly-family-phase, ne tussi-phase, ne bacardi-cola-phase, aber NIE ne hesse-phase. mir ist klar, was das über mich aussagt...

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  4. Ich finde Hesse hat in seinem Werk (u.a. auch im Steppenwolf) fast manisch die Umwandlung von Leid in Schönheit und Glück betrieben/beschrieben ohne dabei in so'n Heile-Welt-Ding abzudriften. Ich glaube das hat er nur geschafft, weil er das Leid nicht abgewehrt hat, sondern es akzeptierte (evtl. mit der Absicht, es gut beschreiben zu können?). Dabei dabei hat er wahrscheinlich gemerkt, welche Kraft im Leid stecken kann. Also jetzt nicht: Leiden um glücklich zu sein-mäßig, sondern eher auf so eine : Auch-im-größten-Widerspruch-Klarheit-finden-Weise.

    Ich glaube die einzigen Bücher, bei denen ich mich erinnern kann, wie es mir ging, als ich sie las, waren welche von Hermann Hesse. "Siddartha" z.B., das war ein großartiger Sommer damals, nicht nur, aber auch Dank dieses Buches.

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    1. ich hatte befürchtet, dass du ohne lange nachzudenken ne bessere rezension in den kommentar klatschst, als ich sie nach ner halben stunde nachdenken posten konnte -.- tatsächlich stimme ich dir zu und möchte hinzufügen: diese leid-glück-transformation trotz akzeptanz der realität wird im steppenwolf über humor gemacht. das fand ich gut.

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  5. Irgendwie war ich lange nicht hier und habe den Steppenwolf verpasst. Ich hatte mit 18-19 auch eine Steppenwolfphase. Ich habe damals 2 Mal versucht, das Buch zu lesen, wurde aber von Depressionen unterbrochen. (Zufall, Schicksal, WTF?) Damals wusste ich nicht genau was das ist und ich war schwer beeindruckt von den Gefühlen, die er beschrieb. Ich dachte, ich wäre die einzige mit diesen Gefühlen (typisch für das Alter, oder?) Ausserdem stand ich damals auch unheimlich auf Typen der Marke Pseudo-Steppenwolf, selbsternannte natürlich. Irgendwann, ein paar Jährchen später, lies ich es zu Ende und es war irgendwie magisch. Dass die Lebensmüdigkeit nur mit purem Leben zu bezwingen ist, war eine Offenbarung. Dass man, wenn alles beschissen ist, wenigstens Spaß haben sollte, um sich weiterhin lebendig zu fühlen...dass,.....Nennt mich naiv oder mainstream, für mich war es ein Meilenstein.

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    1. dann nennt mich auch so. der steppenwolf hat hat mich wirklich umgewälzt.

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