tatortnachbesprechung #4

Die Spiegel hat diesen Tatort schon im Vorfeld verrissen. Zu unrealistisch, zu klischeehaft, zu viele Themen angerissen. Und tatsächlich. Die Hartz IV- Familie wirkte wie 'ne schlechte Karikatur. Und in 90 Minuten Tatort waren genug Themen für zehn Tatorte. Hier war ja alles drin, worüber man 'nen Film drehen könnte: Jugendgewalt, Amtsmissbrauch, Vater-Sohn-Konflikte, Parkinson, Verlust eines Kindes, Unterschicht, soziale Netzwerke versus soziale Kontakte ("Ich hab 118 Freunde"), Selbstjustiz und am Ende dann auch noch die Vergewaltigung durch einen Polizeibeamten. 

Aber wie konnte das der Rezensent vom Spiegel bemerken? Ich war überhaupt nicht in der Lage, den Tatort zu reflektieren. Gerade wegen der vielen, grauenhaften Themen hatte ich die ganze Zeit mit meinem völlig überlasteten Gefühlsapparat zu kämpfen. Ich hab einmal laut geschrien (bei der Gewaltszene am Anfang), mehrmals geheult und als am Ende dann auch noch die Geiselnahme losging, war ich am Rande meiner Kräfte angekommen. Bin danach auch sofort ins Bett geganggen. Uff.

Und wie ging es euch mit den Leipzigern?

Kommentare

  1. Den Tatort habe ich geschwänzt. Er wird sowieso später irgendwann auf den Dritten wiederholt. Dort habe ich fast jeden Tag die Möglichkeit mir einen anzuschauen bzw. ihn nebenbei als Geräuschkulisse zu genießen. Apropos Geräuschkulisse: Haben deine Nachbarn bei dir Sturm geklingelt? ;-)

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    1. nee, so laut war ich nicht. aber das baby hätte aufwachen können. tatsächlich hat mich die gewaltszene dazu gebracht, laut 'aufhören, aufhören' zu schreien. verrückt.

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  2. Ich habe nach einer Stunde ausgeschalten und bin ins Bett gegangen. Das waren mir zuviele Themen, tw. sehr viele Klisches und dadurch recht anstrengend. Ne, fand ich nicht gut.

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  3. Naja, ich habe echt schon unrealistischere Tatorte gesehen und mal davon abgesehen, dass es wirklich viele Themen waren, ging es ganz schön unter die Haut. Das Leben ist auch nicht streng in Themenwelten gegliedert.
    Wenn Du danach sofort ins Bett gegangen bist, hast Du die Klamottendiskussionsrunde bei Jauch verpasst. Da ich selten bis gar nicht Fernsehen schaue und das bisher immer nur gestreift habe, fand ich es ganz interessant.
    LG
    Kerstin

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    1. eigentlich wollten wir nach dem bruchstückhaft geschauten Tatort abschalten (bei Frau Thomalla als Ermittlerin sträuben sich mir die Ermittlerhaare...) aber sind dann auch bei Jauch hängen geblieben. Mein Mann: "Siehste, da nähen wir lieber selber" - - wie WIR???

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    2. mann, da hab ich ja echt was verpasst. ob man sich die jauch-sendung in der mediathek anschauen kann?
      @ kerstin: du hast natürlich recht. einen solchen tatort nach 'themen' zu analysieren, gelang mir auch erst nach einem halben tag abstand. der ging mir schon sehr nahe.

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  4. Ich fand, dass er richtig gut begonnen hat! Zivilcourage, Schläger... man erinnere sich an die schrecklichen Episoden in Berlin und München und sicher auch noch an vielen anderen Orten. Das Thema war für mich also top und auch sehr gut aufgearbeitet, sieben Minuten lang -.- Mir ging es bis dahin genau wie dir, ich war total schockiert und hab laut gerufen - was weiß ich nimmer, aber Marc kam dann aus der Küche rüber um zu gucken was los ist. Als dann aber dieser Vater-Sohn-Konflikt inkl. Willkür & Co. draus wurde, habe ich recht schnell Faden und Interesse verloren. Ausnahmsweise ist mir die Thomalla mal nicht auf den Nerv gegangen, aber die Drehbuchautoren haben's ziemlich verkackt, weil meines Erachtens das eigentliche Thema verspielt wurde...

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