Danke Dresden

Wenn ihr Dresdner seid, habt ihr vielleicht schon die Plakate gesehen, auf denen die Stadt allen freiwilligen Fluthelfern Danke sagt. 

Auf die Gefahr hin, dass mir eine Massenvergewaltigung angedroht wird- dieser Fluthilfewahnsinn ist mir suspekt. Mich nervt der deutsche Gartenzaun-Bürger, der sich beim Anblick dieses Plakats stolz auf die Schulter klopft, für den diese Flutaktion allerdings denselben Sinn erfüllte, wie sonst die Fußball-WM. Dementsprechend gab es im Zentrum Dresdens mehr Helfer als Wasser. In den Randgebieten allerdings, die weniger Gemeinschaftsrausch versprachen, blieben die Anwohner auf sich alleine gestellt. Die Leute, die sich an den Sandplätzen mit verbissenem Gesicht um die Arbeit geprügelt haben, machten mir Angst. Und auch die, die in heroischem Ton verkündeten, es wäre eine Sache der Ehre, dass man mit anpackt, wenn die Heimatstadt bedroht ist. Das erinnert mich irgendwie zu sehr an 1914. Bajonette zu Spaten.

Naja, ich will hier kein Engagement madig machen. Ich kenne Leute, die immernoch alle paar Tage raus nach Gohlis fahren und dort den Anwohnern ihre Hilfe beim Ausräumen ihrer Häuser anbieten. Ganz ungehypt und beständig. Ist ohne Frage saucool.

However ... was ich eigentlich erzählen wollte ... ähm, ach ja - die Danke-Plakate der Stadt Dresden. Großartig! Vorne ist ein Typ mit nem angedeutetem Iro zu sehen und - jetzt kommt's - rechts hinter ihm steht einer mit einem Kapuzenpulli, auf dem ziemlich deutlich seine Ablehnung gegen die Polizei zu erkennen ist :) :) :)
Nun frage ich mich, warum derjenige, der für die Kampagne verantwortlich ist, ausgerechnet dieses Foto auszuwählte!? 
Ich stell mir grad vor, wie so ein politisch motivierter Sprayer nach einer langen Nacht mit vielen heimlich angebrachten ACAB-Tags durch Dresdens Straßen nach Hause schlurft und an der Haltestelle feststellen muss: "Damn it, ich bin überhaupt nicht mehr subversiv. Was früher noch 'ne Ordnungsstrafe nach sich ziehen konnte, wird heute von der Stadt selbst verbreitet." Vielleicht haben wir es ja hier mit einem kleinen Rebellen zu tun, der sich ins System geschlichen hat, um es von innen uffzumischen. Möglich wäre jedoch auch, dass der Plakat-Verantwortliche aus Nürnberg stammt und in der dortigen Regional-Presse gelesen hat, dass Acab ein beliebter türkischer Vorname ist. Der Junge auf dem Foto, der da so stolz seinen Namen auf der Brust trägt, könnte also als Quoten-Ausländer fungieren ala "Ja, wir lassen jeden Februar einen Haufen Nazis durch unsere Stadt marschieren, aber eigentlich haben wir Ausländer total lieb. Wir lassen sie sogar mit uns Sand schaufeln."

Wie auch immer - Danke!


edit dank königinnenreich: es ist nicht nur mir aufgefallen...

Kommentare

  1. Hab zwar noch keines dieser Plakate zu Gesicht bekommen, aber solche Sachen sehen unserem Städtchen schon ähnlich. Gut gemeint ist eben der kleine Bruder von scheiße gemacht.

    Danke! ;o)

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  2. Ich habe einen eingebauten Plakatfilter der verhindert, daß die Dinger vom Unterbewußtsein weitergereicht werden. Insofern kann ich nicht mitreden. Aber das Spektakel geht mir auch gehörig auf den Nerv. Einerseits die Flutbürger, andererseits deren Helfer. Klar ist es nicht angenehm abzusaufen aber das gehört zum Lebensrisiko dazu, besonders wenn man am Wasser wohnen muß. Die Helfer, beileibe nicht alle, kommen mir vor wie Abenteuertouristen auf Erlebnissafari. Helden im Einsatz auf dem Campingplatz aber mit Rückfahrkarte. Bierchen am Sandsack nach getaner Arbeit und ein besorgter Blick über den Wasserspiegel und in den Himmel. Laß mal noch zwei, drei kleine Fluten ins Land schwappen und die vielbeschworene Solidarität versinkt im Schlamm. Dann wird das Ungewöhnliche gewöhnlich und schnell lästig. Mir fällen jetzt zum Thema noch 1000 kleine Dinge ein, aber Platz für eine längere Abhandlung ist hier nicht. Apropos 1000: So viel arme Schlucker sollen gerade in Indien abgesoffen sein. Allerdings richtig. Die hatten nix zu verlieren, außer ihre Existenz. In Deutschland versteht man darunter eine aufgeweichte Kücheneinrichtung. Da unten sind sie wirklich tot.

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    1. ja genau das meine ich. man erlebt hier nen unglaublichen shitstorm, wenn man mal anmerkt, wie denn eine echt humanitäre katastrophe aussieht. na klar tut es mir leid, wenn eine gärtnerei ihre komplette ernte einbüßt und wenn alte leute vor ihrem haus stehen und feststellen-mist, hier können wir nicht mehr wohnen. aber wir und die stadt dresden sind alle so verdammt reich. demgegenüber: keine sau juckt es, wenn tagtäglich leute in somalia draufgehen, weil sie noch nicht mal was zu trinken haben. das ist doch verrückt!

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    2. Indien ist wirklich UNTEN? Ich dachte immer, es wäre HINTEN!

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  3. http://www.sz-online.de/nachrichten/fluthelfer-plakat-sorgt-fuer-aerger-2606567.html ;-)

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  4. Der Hurensohn steckt im Detail. *g* Den Straftatsbestand der Beamtenbeleidigung gibt es übrigens in Deutschland gar nicht. Naja, SZ berichtet. Das sind nur Journalisten. Recherche via Google und meistens nicht mal das. Aber solche Bildempfindlichkeiten kennt man normalerweise nur von totalitären Gesellschaftsformen. Ich werde mir mal ein T-Shirt basteln mit einer sinnlosen Abkürzung. Mal sehen, weswegen ich dann verknackt werden soll. Passieren wird mir das jedoch nicht. So weit ist unser Rechtsstaat noch nicht.

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    1. Da bin ich mir leider nicht mehr so sicher...

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