Die Krone der Verpeiltheit

...geht diesen Monat ganz klar an mich. Ursprünglich handelte es sich bei besagter Krone um einen grünen Plastikring, der einst ein Teller war, bevor ihn jemand auf eine heiße Herdplatte stellte. In der WG, in der sich dies zutrug, wurde dieser Reif immer dann von Mitbewohner zu Mitbewohner weitergereicht, wenn jemand beispielsweise Wasser zum Abspülen einließ und dann über einem Film vergaß, den Wasserhahn wieder zuzudrehen, das Messer von der falschen Seite ableckte oder ähnlich geniale Aktionen brachte.

Ich weiß nicht, was aus der Krone geworden ist, aber ihr Geist schwebt seit einiger Zeit über mir. Es begann damit, dass ich ein Smartphone geschenkt bekommen habe, dass bei dem Versuch ein Android-System draufzuspielen das Zeitliche segnete. Seinen Nachfolger, im Übrigen das erste Handy, das ich mir je gekauft habe, habe ich einen Monat nach Erwerb verloren bzw. mir klauen lassen. Da darin alle meine Termine vermerkt waren, hatte ich in der Folge sehr viel Zeit, weiteren Mist zu bauen. Irgendwie hatte ich auch vergessen, dass die WG, mit der ich mir das Internet teile, ihre Wohnung räumen muss und merkte es erst- als das Internet weg war. Und in meinem Fall war damit auch mein Festnetzanschluss lahmgelegt. Was soll's, ich hab ja noch das Smart... ach nee, da war ja was. Die Mikrowelle gab ihren Geist auf, nachdem ich eine Tasse aus Metall reingestellt hatte. Als ich mein Fahrrad zur Reparatur bringen wollte, wurde mir nur höflich der Weg zum Container gewiesen. Und nun wohne ich seit kurzer Zeit auch noch allein. Also mit Tobit, aber ohne Mitbewohner. Zum ersten Mal in meinem Leben. Das hat zum einen zur Folge, dass ich nun im Besitz von mehreren Wohnungsschlüsseln bin und zum anderen, dass ich abends die Tür immer von innen abschließe, weil ich irgendwie ängstlicher bin, wenn nachts niemand außer mir da ist. Als ich heute morgen den Vormittagsschlaf von Little T nutzte, um ein paar Sachen aus dem Keller zu holen, nahm ich natürlich einen dieser Schlüssel mit. Dummerweise musste ich bei meiner Rückkehr feststellen, dass einer von den anderen noch steckte. Von innen. Dort, wo auch mein Handy lag und: Tobolino schlief. Und zwar ausnahmsweise nicht im Kinderbett, sondern auf der Matratze. Means: Weckt er auf, kann er sich frei in der Wohnung bewegen, was nur weitere Schäden an derselben bedeuten kann. Der Schlüsseldienst kam dank nachbarschaftlicher Hilfe: 2 Minuten Arbeit, 60 Euro Honorar.

Warum ich das alles niederschreibe? Zusammen mit ein bisschen Herzschmerz und einem kranken Kind, dass die ganze Woche zu Hause war und zur Zeit nur zwei Modi kennt, nämlich Ningeln oder Zerstören, hätten mich diese vielen kleinen, aber teilweise teuren Missgeschicke fast in die Knie gezwungen. Aber als ich anfing, all diese Sachen aufzulisten (und ich hab der Leserfreundlichkeit zuliebe so einiges ausgelassen), da konnte ich plötzlich schmunzeln. Ich lachte über mich und Murphy ins Gesicht: „Mich kriegst du nicht klein, alter Knabe, mich nicht!“

So. Wer von euch denkt nun, er könne mir die Krone streitig machen? Ich bin gespannt.

Kommentare

  1. L.T. zerstört nichs. Er folgt nur seinem kritischen Geist, entwickelt einen eigenen, gefestigten Standpunkt zu seinem sozialen und materiellen Umfeld, was er kognitiv reflektiert und handelt dementsprechend ergebnisorientiert.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Würde ich auch sagen, wenn ich nicht diejenige wäre, die es ausbaden muss.

      Löschen
  2. schon mal über'n Job beim Zirkus nachgedacht? Könntest prima Clownsnummern generieren. Ich hab beim Lesen jedenfalls ziemlich gefeixt.

    AntwortenLöschen
  3. ja, man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll... aber mal so ein bisschen online in den arm nehmen geht ja vielleicht? :*

    ich sag ja... lass den kleinen mal bei oma und komm vorbei... oder bring ihn mit und lass ihn die wohnung auseinandernehmen - wir ziehen ja dann bald um ;D

    ich würd ja gern bei euch einziehen... aber wenigstens ist berlin ja nicht weit!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wenn die Zugfahrt nur nicht so lang wäre...ich kann tobo unmöglich ne Woche bei meinen Eltern lassen. Die haben Jobs.

      Löschen
  4. Manchmal passiert ein Ding nach dem anderen... Sorry, aber ich musste auch ziemlich lachen, das schreit ja schon fast nach Seifenoper-Drehbuch! Ich hoffe, nun zieht erst mal wieder etwas Ruhe in Deinen Alltag ein! Alles wird gut - irgendwann ;-)
    Liebe Grüße Dani

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Grad eben hab ich festgestellt, dass ich den Schlüssel für das neue Fahrrad versiebt habe... So viel dazu...

      Löschen
    2. Das ist immer noch besser, als das Fahrrad selbst. Geh mal gucken. ;-) Alles wird gut. Spätestens, wenn der Kleine in der Schule ist. In meinen Glanzzeiten habe ich auch den Mixer im Kühlschrank versenkt ...

      Löschen
    3. hurray, der schlüssel ist wieder da. ich hab aber noch was besseres: am wochenende bin ich zusammen mit einem 15 kilo schweren pflanzkübel in eine grube gestürzt, die mit brennnesseln zugewuchert war. mittlerweile spür ich meine beine wieder...

      Löschen
    4. In Lang:

      Das ist eindeutig selbstverletzendes Verhalten. Schonmal dran gedacht, Deinen Seelsorger mal wieder zu konsultieren? - Ach, dem ist neulich beim Yoga in Mecklenburg ein Eisklumpen auf den Kopf gefallen? Mm ... dann ein Gespräch mit Gott vielleicht? - Aha, der hat sich neulich beim Joggen den Jupiter eingetreten und kann grad nicht.

      - Naja, da kannst Du ja jetzt mit den beiden um den Darwin-Award batteln.

      =)

      Oh ja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Aber wenn Du den Schaden so zur Schau stellst ist das ja ... auch schon wieder selbstverletzendes Verhalten.



      In Kurz:

      Oh mann, bist Du prasslich ;)

      Löschen
    5. in lang: laut jesper juul hat das der umgang meiner eltern mit mir... das hat bwirkt das... autoagression... passive suizidalität... bla
      in kurz: ich war hacke.

      Löschen
    6. oh ja, das wollte ich auch noch sagen:

      "Gelesen:
      -Jirina Prekop - Hättest du mich festgehalten. Grundlagen und Anwendung der Festhalte-Therapie
      - Jesper Juul - Das kompetente Kind"

      Ich sehe hier einen Ansatzpunkt für Heilung. Lies mal was Ordentliches; bei solcher Lektüre musste doch meschugge werden.


      Löschen
  5. Ey du machst ja Sachen. Aber die Krone kannst du ruhig bei dir lassen, ich könnte mir maximal eine fur blaue Flecken aufsetzen, das ich gern mal an sämtliche Möbel und sonst was anecke. Bin also auch ein kleiner Tollpatsch. ;-)
    Aber so ein Problem mit dem Wohnungsschloss wie du, habe ich zum Glück nicht. Ich kann trotz Schlüssel innen von außen aufschließen, Notfallschloss nennt sich das, glaube ich.
    Lass den Kopf nicht hängen und lach darüber, manchmal geht halt alles schief.

    LG Bianca

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, von diesen Notfallmöbeln gibt es eine ganze Wohnungseinrichtung bei IKEA. Speziell für Frauen. Wie die direkt heißt, weiß ich nicht. Ein Frauenname und fängt mit S an, glaube ich. Aber da ist alles dabei: Notfallherd, Notfalltelefon, Notfallwaschmaschine usw.

      Löschen
    2. "Ein Frauenname und fängt mit S an, glaube ich"

      War ja zu befürchten: http://www.ikea.com/notfallmöbel/Steph

      Löschen
  6. Ich finde ja, dass du so einiges stemmen musst als Alleinerziehende... da ist es kein Wunder, dass man wuschig ist. Ich für meinen Teil bin ganz ohne Kind und mit sehr nützlichem Mitbewohner aka Mann fast (die Krone mache ich dir nicht streitig) genauso durch den Wind... Ursache? Alles ein bisschen viel, ne. Ich hoffe dein Lachen vergeht dir nicht, ich werde auch weiterhin bemüht lächeln und ein zwei Gedanken mehr an dich schicken, wenn mir das nächste Mal die Schippe vom Balkon aus dem zweiten Stock fällt, weil ich zu sehr rumgefuchtelt habe.
    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
  7. Das Schlüsselthema könnte zu mir passen, denn die Dinger wanderen entweder von mir weg, wenn es meine sind - oder zu mir hin, wenn sie eigentlich nichts bei mir suchen haben. Ein Mirakulum. Die Krone nehme ich dir damit aber sicher nicht ab, aber Hauptsache dein Humor bleibt ...

    AntwortenLöschen
  8. Ich bin raus. Nimmst Du noch Tapferkeitsmedaillen entgegen? Davon könnte ich ggf. eine abtreten :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. eine medaille würde mich tatsächlich trösten...

      Löschen
    2. Blöderweise hat die immer zwei Seiten. *g

      Löschen

Kommentar veröffentlichen