"Is niss lustis. Niemand lacht."

Ich bin als Mutter an der Stelle angekommen, an der ich mich selbst durch den Mund meines Kindes höre. "Is hab diss verstanden, mösste aber trotzdem niss Suhe anziehn", "Lass miss bitte kurz in Ruhe", "Iss komm gleiss, muss nur noch snell..." usw. 

Der Satz aus der Überschrift war der erste seiner Art. Gleichzeitig ist er der Grund, weshalb ich nicht mehr schreibe. Natürlich hat das auch was damit zu tun, dass ich jetzt - nach dem Ref - mehr arbeiten muss als vorher. Und ich hab immernoch ein kleines Kind. Und ein Privatleben. Und damit ist der Tag voll. Eigene Interessen verfolgen? In den nächsten Ferien wieder. 


Der eigentliche Grund für meine Blog-Abstinenz ist aber ein anderer. Irgendwo zwischen dem Ende der Ausbildung und dem Berufseinstieg, zwischen alter und neuer Schule - habe ich meinen Humor verloren. Ich glaub, das nennt man Praxisschock. Ich hab zwar schon zwei Jahre an ner Schule gearbeitet, aber das war das Ref. Man hatte ein Ziel. Nur noch drei Monate, nur noch vier Prüfungen. Schüler spacken rum? Egal, bin eh bald hier weg.

Vor den Ferien verkündete mir mein neuer Schulleiter feierlich, ich habe meine Probezeit bestanden und müsse nur noch hier und dort unterschreiben und dann wäre ich drin im System. Und ich dachte mir: "Hach, nur noch 37 Jahre, dann bin ich hier weg." Hatte irgendwie nicht mehr denselben Effekt.

Ich mag meine Schüler. Wirklich. Aber ich hab beständig das Gefühl, dass hier irgendwas komplett schief läuft. Entweder bin ich total unfähig oder unser Schulsystem ist komplett für'n Arsch oder irgendwas läuft in unserer Gesellschaft und in der Erziehung von Kindern falsch - zumindest hab ich das Gefühl, dass hier nüscht, aber auch gar nüscht rumkommt bei der Geschichte. 

Ich hab ne achte Klasse in Geschichte, da möchte ich manchmal heulen. Abgesehen von massiven Disziplinproblemen und der Unmöglichkeit, sie für irgendwas zu begeistern oder zumindest zu interessieren, bin ich kurz davor, nur noch MultipleChoice-Tests zu schreiben, weil dort keiner nen vernünftigen Satz bilden kann. So mit Subjekt, Prädikat, Objekt. Ganz zu schweigen vom Inhalt. Letztens hab ich den Schülern ein paar Fotos von den Hauptakteuren der Russischen Revolution gezeigt. Haben wir mindestens sechs Stunden dran gearbeitet. Frage: "Wer ist das?" Antwort: "Leni, Stahdi, Stroki." 
Was das Fass zum Überlaufen bringt: Ich wohne und arbeite ja in der Pegida-Hauptstadt. Ich versuche tatsächlich diesbezügliche Diskussionen mit meinen Schülern zu vermeiden, weil ich weiß, dass ich danach ne Sinnkrise bekomme. Aber alleine, was ich so im Vorbeigehen aufschnappe, reicht aus, um mich eingraben zu wollen. Eine Kollegin, die mit mir angefangen hat, erzählte mir, sie hätte sich in der Woche vor den Ferien mindestens drei Mal vor ihrer Klasse scheinexekutiert.

Im Ref konnte ich über all diese Sachen noch lachen. Oder zumindest zynische Kommentare abgeben, über die dann andere lachen. Aber wenn ich jetzt so auf die nächsten 37 Jahre blicke, denke ich nur noch: "Iss niss lustig. Niemand lacht."

Kommentare

  1. Hey es ist trotzdem schön von dir mal wieder zu lesen. Ich hoffe, du findest deinen Humor irgendwie wieder und erlebst auch schöne angenehme Momente in deinem Arbeitsalltag.
    Viel Kraft und alles Gute.
    Dani Ela

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    1. Privat hab ich meinen Humor ja zum Glück noch. Glaub ich.
      Danke für die lieben Wünsche - ich nehm sie mit ins neue Halbjahr.

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    2. Kopf hoch, es wird! Vielleicht kommt mal die Gelegenehit, die Schule zu wechseln? Versetzungsantrag kann ja dauern, aber wenn du Glück hast, bringt dir einen neue Schule vielleicht ein besseres Berufsumfeld!
      Ich habe aud den Gründen, die du hier schreibst, schon vorm Ref beschlossen, dass ich das nicht kann und nicht mitmachen werde! Ich wäre so krachen gegangen und bin froh meiner realistischen Selbsteinschätzung gefolgt zu sein, eben nicht Lehrerin zu werden, eben nicht durch ein Ref zu hecheln, dass mich in eine gefühlte Sackgasse führt.
      Aber ich ziehe den Hut, dass du das so durchziehst, auch wenn es dich so ankotzt - Ref, Schulalltag und Mama-sein ist ne harte Kombi bisweilen (seh ich an meinen Freuden, die jetzt da sind, wo du bist). Kopf hoch! ES WIRD! Wirklich!

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    3. danke! tatsächlich wird es von monat zu monat besser. die arbeit geht leichter von der hand und das fell wird dicker.
      versetzen lassen will ich mich nicht, denn: 5 minuten arbeitsweg schlägt schwieriges klientel.
      und: irgendeiner muss es machen. es können nicht alle lehrer auf dem dorf oder im yuppi-viertel arbeiten. ich denke, wenn der praxisschock vorüber ist, bin ich hier ganz gut aufgehoben.

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    4. @ sera: was hast'n dann statt ref gemacht?

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  2. Hmm... Das Leben in der Pegida-Hauptstadt kann schon aufregend sein. So viele fundierte Meinungen, man hält es wirklich manchmal nicht aus. Aber was will man machen? Eingraben - schlecht. Drüber diskutieren (man liest ja dafür mancherorts die Phrase »den Dialog suchen«) - auch schlecht, weil die andere Seite ja per se Recht hat. Also hilft nur Humor, und der, das ist bekannt, ist, wenn man trotzdem lacht.

    In diesem Sinne... Prosit Neujahr! Alles wird gut... ;o)

    PS: Und ja, das Schulsystem ist stellenweise fragwürdig.
    PPS: Schön, mal wieder was von dir zu lesen!

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    1. Vielen Dank, lieber Octa.

      Wer sich das mit dem Dialog-suchen ausgedacht hat, frag ich mich auch. Ich schätze, es hat was mit Wählerstimmen zu tun...

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  3. da kommste ja mit einem wumps zurück ... erst hab ich gelacht - geht nicht anders, wenn ich mir klein t vorstelle - aber dann wird's ja gleich wieder ernst. würde schreibtherapie vorschlagen! ;)
    schön, wieder von dir zu hören :)

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    1. tja, ich hatte ferien und plötzlich hat's mich gesackt. und es war so schön, dass ich das mit der schreibtherapie direkt mal versuchen würde.
      by the way: ich hab die großartige einladung zur ausstellungseröffnung erhalten. ich hab an dem montag bis 14.10 unterricht, das wird also knapp mit um drei in meißen. aber ich komme. wenn auch zu spät. du bist doch da, oder???
      grüßle

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    2. ja, ich bin da :)
      es wird allerdings nicht suuuperlange dauern, denke ich - n stündchen vielleicht? ich freu mich aber natürlich, dich zu sehen!!! also... keen stress ;)

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  4. Na ich glaube hier läuft etwas in der Gesellschaft falsch. Wir sagen immer "Jammern auf hohem Niveau" dazu und nein, auch Humor hilft da nicht mehr weiter. Es ist nur noch zum heulen. Als Kind und Teenager wollte ich unbegingt Lehrer werden, dann kam die Wende und ich verlor ganz schnell die Lust daran, weil ich sah, wie auf der Realschule auf einmal die Lehrer fertig gemacht wurden. Es herrscht Narrenfreiheit und dass nicht nur in der Faschingssaison. :-)
    LG
    Kerstin

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    1. zum thema "jammern auf hohem niveau" muss ich ja mal sagen, dass ich nicht von meinen schülern fertig gemacht werde. das versuchen die auch nicht. wir mögen uns. das ist ja das schlimme. die meinen's nicht böse, sondern die können nicht anders...

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  5. Ich denke es läuft was ganz mächtig falsch und bewundere jeden der Lehrer wird und ist! Wir sind allerdings total verwöhnt an der freien Schule läuft es noch ein wenig anders . Ich hoffe Du behältst dir die Freude am Beruf und findest den Spaß und Humor wieder! Trotzdem schön wieder von Dir zu lesen!
    sei ganz lieb gegrüßt
    anja

    sei ganz lieb gegrüßt
    anja

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    1. danke, danke. an welcher freien schule seid ihr? suchen die noch lehrer ;) ?

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    2. an der Laborschule,und ja ich glaube es werden immer welche gesucht gerade für die älteren Schüler Stufe 3 und 4. Espenstrasse ist ja auch nicht so arg weit weg...

      sei lieb gegrüßt anja

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  6. Shit shit! Schade, dass du nicht mehr Zeit hast (ha ha), du könntest Kolumnen schreiben! Schön, wieder von dir zu hören, auch wenn es hinter dem Humor ganz ernst ist.
    8. Klasse ist wahrscheinlich das Schlimmste, ich glaub in der Zeit hab ich mich auch für nichts interessiert.

    Meine Eltern sind beide Lehrer (mein Papa inzwischen Rentner). Er für Dt+Geschichte, sie für Dt+Kunst. Seit ich mich erinnern kann, haderten sich weder mit den Schülern, sondern nur mit besserwisserischen Kollegen, Chefs und mit dem System! Auch wenn es Unterricht am Gymnasium ist, soll es dir ein wenig Mut machen!

    Viele meiner Berufskollegen, die die Schule wohl auch ignoriert haben machen und machten auf dem 2. Bildungsweg Abi nach. Nach der Arbeit und dem Schichtdienst. Mist, wenn die Erkenntnis so spät kommt.

    Ich kann mir vorstellen, wie du dich "abstrampelst" und drück dir die Daumen, dass du deinen Humor nicht verlierst!!

    Liebe Grüße

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    1. Gut zu wissen, wie das bei deinen Eltern lief. Die Kollegen und das System sind auch meine roten Tücher. Plus: Elternarbeit. Würg.

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  7. Hallo. Schön wieder von dir zu lesen.
    Ich kann dich verstehen. Bei der heutigen Interessenlosigkeit der Jugend kann man echt nur den Kopf schütteln. Und unser Schulsystem ist echt langsam fürn Ar... Bin richtig froh heute kein Schüler mehr zu sein.
    Liebe Grüße
    Bianca

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    1. "Bin richtig froh heute kein Schüler mehr zu sein." ... obwohl der Unterricht heute viel besser ist. Interessiert halt nur keinen mehr.

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  8. Wir brüllen vor lachen! Würden Little T gerne babysitten, der ist ja der Klopper :D

    Lehrer haben es heute wirklich nicht mehr leicht, will sagen: schwerer als "früher". Ich schlage immer drei Kreuze wenn ich Stories wie deine höre, denn meine Mutter hatte mich ja auch zum Lehramtsstudium gedrängt und ich steckte ja sogar ein Semester lang drin - ich kann mit den Kindern von heute leider nicht und hoffe einfach, dass Leute wie du trotzdem am Ball bleiben, sich und die Kinder weiter motiviere können und in den nächsten Jahren sich bei Kindern/Erziehung/Politik mal wieder ein bisschen was zum Besseren ändert...
    Ich grüße dich ganz herzlich <3

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    1. Oh ja, der ist definitiv ein Kloppi. Vielleicht macht ihr mal ne Städtreise und lernt ihn kennen? :D
      Ich weiß gar nicht so genau, ob's die Lehrer sind, die es früher einfacher hatten.
      Tatsache ist, dass ich aus meiner Schulzeit echt viel mitgenommen habe an Bildung und Denkfähigkeit usw. Ich konnte meine Sachen halbwegs zusammenhalten und hatte einen Überblick über meine Aufgaben. Ich glaub, das kann von meinen Schülern kaum einer. Standard-Satz meiner Kollegen: "Die Arbeit/ das Projekt/ die Komplexe Leistung können wir so nicht mehr durchführen - das können die heute nicht mehr".

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  9. So sehr ich mich freue, wieder von dir zu lesen, so sehr tut mir deine Ernüchterung leid. Allerdings würde ich die Schuld nicht auf die Kinder schieben, die baden immer nur aus, was gesellschaftlich schief läuft. Und die Erwachsenen tragen die Hauptverantwortung. Leider stehen wir auf der anderen Seite und machen seit 7 Jahren fast durchweg sehr negative Erfahrungen mit Schule und Lehrern. Mittlerweile bin ich derart frustriert, dass ich mir sogar Homeschooling vorstellen kann. Menno.
    Dir ganz viel Kraft und Motivation trotz allem, oder eben auch einen Schulwechsel.
    Ganz liebe Grüße!
    Regina

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    1. Hey Regina,
      ich weiß, dass die Kinder nicht schuld sind. Hab ja die Schuld auch bei mir, dem Schulsystem oder der Gesellschaft gesucht.
      Weshalb habt ihr so schlechte Erfahrungen mit Schule und Lehrern gemacht?
      Grüßle

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  10. Nun sind wir uns erst vor wenigen Tagen über den Weg gelaufen (sind wir doch, oder?) und haben uns kaum noch erkannt. Hätte gerne ein bisschen mit dir geplauscht ... um so mehr freut es mich, dass du den Blog aus dem Winterschlaf geholt hast. Bitte weiterschreiben und den Mut nicht verlieren! Deine Einstellung eben nicht an eine Alternativschule zu wechseln, bewundere ich sehr ... du bist bestimmt eine Lehrerin, die ich zu Schulzeiten auch gerne vor mir gehabt hätte.

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    1. Oh danke, das ehrt mich.
      Wir sind uns über den Weg gelaufen? Wo denn? Vielleicht klappt's ja bald mal wieder an der Stelle :D
      Ich hab dich mal von weitem bei einer Anti-Pegida-Sache gesehen, glaub ich...


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    2. Ein Ort, wo man gerne gesehen wird. :-) Über den Weg gelaufen sind wir uns an der Haltstelle Bünaustraße - beide mit Fahrrad, beide mit Kind ...

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    3. mmh...in der ecke hab ich immer meinen tunnelblick drauf, damit ich keine schüler in der freizeit sehe ;)

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  11. Dein Post macht mich sprachlos und traurig. Ich wünsche dir viel Kraft und ebenso wünsche ich dir, dass du Lust und Freude an deinem Beruf findest.
    Zitat: "Abgesehen von massiven Disziplinproblemen und der Unmöglichkeit, sie für irgendwas zu begeistern oder zumindest zu interessieren" ... aber so sind nicht alle Kinder, wahrscheinlich auch nicht in dieser Klasse. Wir haben eine neugierige und wissbegieriges Gymnasialkind hier, welcher nach einem Superkindergarten und einer MontessoriGS nun auf einem staatlichen sächs. Gymnasium ist. Leider ist hier die Ernüchterung eingekehrt, unser Kind ist pflichtbewußt und lernt... aber die Freude, die Lust Neues zu entdecken, ist ihr innerhalb von wenigen Tagen genommen worden.....
    Kopf hoch! (Es gibt tolle Schulen, nur leider sind diese nicht immer räumlich gut zu erreichen...)
    LG Anja

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    1. Hey Anja, danke für deinen Kommentar. Hast du ne Idee, woran das liegt, dass dein Kind jetzt die Freude am Lernen verloren hat? Liegt das an der Art des Unterrichts? Sind die Anforderungen zu hoch oder zu niedrig? Würde mich wirklich interessieren.

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    2. Es spielen verschiedene faktoren zusammen: Beginnende Pubertät (das Mädel ist 13 1/2), unmotivierte und "mit dem ganzen für sich abgeschlossene"Lehrer, Frontalunterricht ist nicht ihr Ding...sie mag Gruppenarbeit / Freiarbeit usw.
      Nachdem das Skilager in diesem Schuljahr ausfällt, ist auch die Englandfahrt in Klasse 8 ersatzlos gestrichen worden. (Begründung: die Kinder interessieren sich nicht- nur für Handy und Shopping, die Kinder sind unselbstständig und überfordert, Terrorgefahr, Kosten). Die Reaktion meines Kindes darauf: "Alles Schei...e, ich will nicht mehr zur Schule, das war das Einzige worauf ich mich gefreut habe." *ironiemodusan* So motiviert man Kinder!
      Mein Mann ist sehr geschichtsinteressiert, das Kind hat dies wohl geerbt. Ihre Fragerei über Hitler und das Dritte Reich, über Anne Frank usw. waren in der ersten/zweiten Klasse hier so präsent, dass ich es nimmer hören konnte.... jetzt hasst sie das Unterrichtsfach. Es sei langweilig.
      Ich bedauere außerordentlich, dass es hier kein Gymnasium in freier Trägerschaft oder gar ein Montessorigymnasium gibt. Zensuren sind gut, sie gehört zum oberen Viertel der Klasse, aber Klassenarbeiten über Froschschenkel und co. sind nicht ihr Ding ;-)
      Zum Glück gibt es auch eine Französisch- und eine Religionslehrerin, die den Unterricht so machen wie unser Kind es mag. Also kleine Lichtblicke....
      Es sind die ruhigen Kinder, die nicht wahrgenommen werden... auch nicht von den Lehrern, die meist mit den auffälligen zu tun haben.
      Bist du an einem Gym. oder an einer Oberschule?
      LG Anja

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    3. Ich bin an einer Oberschule.
      Du hast recht damit, dass die ruhigen Kinder nicht wahrgenommen werden. Passiert mir genauso, weil ich mit den Lauten so beschäftigt bin... und das wirkt sich auch auf die Qualität des Unterrichts aus. Ich nehm mir oft Unterrichtsentwürfe aus meinem ersten Ref-Jahr zur Hand. Da hab ich echt coole Sachen gemacht, die ich jetzt nicht mehr machen kann, weil das mit meinen aktuellen Klassen einfach nicht geht...aber ich lese und lese und irgendwann werde ich das Patentrezept bestimmt finden ;)
      Zur Verteidigung meiner Kollegen, die "für sich abgeschlossen haben" und keinen Bock mehr auf Englandfahrten usw. haben, muss ich aber sagen: die meisten von denen sind seit Jahrzehnten im Schuldienst. Und keine Sau hat sie auf die Schülerschaft vorbereitet, mit der sie jetzt konfrontiert sind. Und es kümmert sich auch keiner drum. Die müssen einfach irgendwie mit den neuen Gegebenheiten klarkommen. Zudem hat sich das Ansehen ihres Berufes stark verschlechtert und sie werden oft von allen möglichen Seiten angegriffen. Ich verstehe, dass sich mancher dann denkt: Ich mache meinen Job, ich sicher mich ab, so dass mir keiner gegen's Bein fahren kann, und zusätzlich mach ich schon mal gar nichts. Cool isses nicht.

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  12. Einerseits, schön mal wieder von dir zu lesen, andererseits, nicht so schön, was es zu lesen gibt.
    Wir hier in unserer Neustadtblase nehmen diese Probleme so nicht wahr. Manchmal habe ich das Gefühl, das die Clusterbildung in Dresden ganz besonders extrem ist. In der Tochterschule wurde ausgiebigst über Pegida diskutiert, aber eben nicht nur in der Schule und offensichtlich auch nicht nur in unserem Haushalt. So bequem und entspannt das für uns ist, diese frühe Sortierung in Schubladen tut dem Gesamtsystem bestimmt nicht gut und bremst vielleicht auch den ein oder anderen Lehrer aus. Nach anderthalb Jahren ist die Tochter in der Gymnasialklasse ganz gut angekommen, geht zwar nicht mit Hurrageschrei zur Schule (welches Kind hat schon gerne tägliche Pflichten), fühlt sich aber insgesamt wohl. Dabei ist die Schule eher leistungsorientiert, fordert durchaus. Lehrer gibt es solche und solche, wie wahrscheinlich überall. Wie amberlight schon sagt, ich bewundere dich, für dein Durchhaltevermögen. Denn Lehrer mit Standpunkt und Humor sind große Klasse.
    Herzliche Grüße,
    Malou

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    1. Dankeschön!
      Tatsächlich ist der Unterschied zwischen Schularten und Vierteln ziemlich krass. Und man muss schon mutig sein und seinem Kind einiges zutrauen, wenn man es in prekären Vierteln auf die Oberschule steckt. Ich hab schon oft drüber nachgedacht, ob Tobit mal hier oder in Waldorf in die Schule geht... Mal sehen, wie er sich bis dahin macht...

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  13. He Steph, lass Dich nicht unterkriegen. Blabla. Ach ich weiß auch nicht, was ich an Deiner Stelle täte. Mm... gibt's keine Beratungsstelle für dysfunktionale Schulen oder überforderte Lehrer, err Lehrerinnen (ist ja Frauentag)?

    Wobei, in Deiner Schule funktioniert doch schon einiges, aber halt nicht das, was Du Dir vorstellst. Lernen in der Schule, das ist nach meinen Erfahrungen wie ... Lieben nach Plan, meinetwegen auch wie Tanzen zu Marschmusik: es gibt Freaks, die sind mutig und kreativ genug und die schaffen das, aber die Mehrheit ist damit überfordert. Vielleicht kannst Du einfach den Gedanken aufgeben, Deinen Schülern und Schülerinnen was beizubringen? Klingt komis? Isses aber vielleist gar nis.

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    1. Mmh, die Frage ist halt, was ich ihnen beibringen will. Jahreszahlen? Mir doch egal. Aber so'n paar zwischenmenschliche Kompetenzen, Interessenbildung, Arbeitstechniken und Urteilsvermögen - wenn mir das nicht wichtig ist, kann ich's auch lassen...oder etwa nis?

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    2. Wie realistisch ist "zwischenmenschliche Kompetenzen, Interessenbildung und Urteilsvermögen" als Schulstoff?

      Ich bin ja manchmal kein Freund der Realität, aber dass Herr Tausch mit dem Umsetzen seiner Theorien zum Unterricht jenseits des heimlichen Lehrplan in der Praxis Schule ganz grauenhaft gescheitert ist (Vgl. K. Zehrfeld / J. Zinnecker: Acht Minuten heimlicher Lehrplan bei Herrn Tausch, in: J. Zinnecker (Hrsg.): Der heimliche Lehrplan, S. 88ff.), lässt mich vermuten, dass die innere Logik der Schule das Erlernen von "zwischenmenschlichen Kompetenzen, Interessenbildung und Urteilsvermögen" unmöglich macht.

      Solange Kids PISA Weltmeister werden müssen, kannst Du mit Deinen Plänen zu Urteilsvermögen und Interessensbildung m.E. nur scheitern. Das Gute daran: Kids die erleben, wie Du dabei scheiterst, könnten einen Gewinn aus diesem Erleben ziehen. Das Schlechte daran: Du hast nix davon. ... oder seh is das nur nis?

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  14. Der 20. Februar in Dresden muss ein düsterer Tag gewesen sein. Da hab ich sowas geschrieben: https://flusspol.wordpress.com/2015/02/20/haben-viel-vor/
    Die Klassenrabauken meiner alten Heimat sind auch "was geworden", zumindest einen traf ich neulich in Dresden, Bauingenieur, 2 Kinder - alles super. Oder? Keine Ahnung. Was man halt so sieht in 5 Minuten Gespräch.
    Schule ist nicht alles, da hat Torsten schon recht. Manch Leute sagen auch, in der Pubertät brauchen die Kids nur Ausarbeitung, Schulunterricht ist in dieser Phase Zeitverschwendung. Ich glaube ja nicht, dass das für alle zutrifft. Für manche allerdings schon.
    Meine Kids kommen übrigens zu Waldorfs.

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