"R" wie (hard to) "Refuse": Geschenke

Sich über ein Zuviel an Geschenken zu beschweren, empfindet sicher der ein oder andere als Luxusproblem. Aber für Menschen, die versuchen, ihren Besitz drastisch zu reduzieren und vielleicht auch noch Müll zu vermeiden, werden Geschenke manchmal echt zum Problem.

Mitbringsel und Freebies
Als Erwachsener find ich es schon schwierig zu reduzieren, was von draußen rein kommt. Bei Geburtstagseinladungen und Kinderannouncements schreibe ich dazu, dass Geschenke wirklich nicht vonnöten sind (- es sei denn, man kann es essen). Und manche (warum nicht alle???) halten sich auch daran. Etwas schwieriger war es für mich, zu einem generellen 'Nein' zu Freebies zu finden. Als Ostkind mit nem Haufen Geschwister wächst man in dem Gefühl auf, alles hamstern zu müssen, was man kriegen kann. Erst recht, wenn es billig oder gar umsonst ist. Die Einsicht, dass ich mit jedem angenommenen Werbegeschenk weiteren Bedarf anmelde, verdanke ich Bea Johnson.Hätte ich im Grunde auch selbst drauf kommen können. Und trotzdem ist es keine Woche her, dass ich Rind mit einem Koffer voller Babyzeug von DM nach Hause trabe. Ich hatte es zwar in erster Linie auf den Koffer abgesehen, fand mich dann aber eine gefühlte Ewigkeit damit beschäftigt, die zahlreichen Artikelproben auszupacken, zu sortieren und in der Wohnung zu verteilen. Nun besitze ich drei kleine Fläschchen mit Babyshampoo, obwohl ich sowas nie benutze. 
Da mein Gehirn offenbar nicht immer so arbeitet, wie es eigentlich soll, habe ich einen inneren "Nie-wieder-Gratisgeschenke"-Schwur abgelegt. Dann hat die Sache wenigstens etwas Gutes.

Wie sagen wir's den Kindern
So richtig megakacke wird die Sache mit den Geschenken aber imho erst dann, wenn man Kinder hat. Vor einer Weile hab ich den Besitz unseres Sohnes decluttert (sry, ich lese Zero Waste Home auf Englisch...) und wir waren überwältigt von der Wirkung. Seit er ein sehr überschaubares, klar sortiertes Angebot an Spielzeug hat, spielt und baut er stundenlang in seinem Zimmer und räumt sogar freiwillig auf. (Ich hatte ein superschlechtes Gewissen dabei, in seiner Abwesenheit seine Sachen auszumisten. Aber seine Erzieherin hatte uns dazu geraten, weil er gelinde und in Mundart ausgedrückt immer "ä bissl sehre uffgeräscht" ist.)

Ich habe seitdem (und auch vorher nicht) kein einziges Spielzeug gekauft. Aber seine Sachen haben sich schon wieder verdoppelt. Ich betone ständig, dass die Jungs nix brauchen. Aus gerade erläuterten Gründen, aber auch weil ich möchte, dass meine Kinder kleine Dinge wertschätzen können. (Wenn mein Sohn etwas geschenkt bekommt, freut er sich 10 Sekunden und fragt dann, wo der Rest ist.) 

Zum Advent bekam Tobolino von Bekannten eine Kiste mit 24 Geschenken. Richtigen Geschenken. Zum Nikolaus gab's von vier Seiten Präsente. Beim Zahnarzt gab's zur Untersuchung eine Plastikfigur in Plastikfolie und zur Behandlung eine Plastikarmbrust in Plastikfolie (Fail. In so many ways). Die Apotheke packte noch ein Flugzeug obendrauf. Natürlich auch aus Plastik. Und im Supermarkt kriegt er jedesmal so ne beschissene Fahne in die Hand gedrückt. Da stehste als Mutter daneben und willst platzen. Ich kann dem Kind ja schlecht das Geschenk vor der Nase wegreißen, dass der Verkäufer ihm hinhält. 

Eine kleine Auswahl -.-
Das Einzige was mir übrig bleibt ist, meinem Kind Tag für Tag das Lied von den echten Schätzen und dem schlechten Müll ins Ohr zu säuseln und siehe da: Vor kurzem erzählte er meiner Mutter, dass "wir" zuhause keine Fruchtzwerge essen, weil da so viel Müll drumrum ist. Und heute hat er zehn!!! Autos aussortiert, mit denen er nicht mehr spielt. Und natürlich gibt's von uns zu Weihnachten nur ein einziges Geschenk. Schon deshalb, weil er trotz inständiger Bitten unserseits von allen Seiten überhäuft werden wird. That sucks so much. 

Kommentare

  1. Eine Plastikarmbrust vom Zahnarzt? Ich lese deinen Blog schon recht lange, aber das war definitiv das Abgefahrenste in all der Zeit... Jetzt hab ich ein (wenn auch verdutztes) Lächeln im Antlitz und der Tag kann losgehen... ;o)

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  2. hach... das wird für uns auch noch mal schwierig o.O

    das plastikzeug mag man ja noch nicht mal weiterschenken... sehr schade dieser ganze müll :/

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    1. Ich will nicht wissen, was jährlich für Müll zusammenkommt allein durch so'n Kleinscheiß aus HappyMeals und Ü-Eiern.

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  3. Ich geb dir da vollkommen recht! Mir graute es schon zur Geburt der Motte, was wohl alles für Müll geschenkt wird, aber unsere Familien haben zum Glück zugehört und wirklich nur nützliche Sachen bzw. wenn schon Spielzeug, dann nur aus Holz geschenkt. Aber es gibt immer irgendwelche Bekannte, die es einfach nicht lassen können. Wie du schon sagtest, allein die Ü-Eier....einmal zusammen gebaut, kurz gespielt und ab in die Tonne. Schlimm.

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  4. Da bin ich echt für unsere Familien dankbar, da werden Geschenke fürs Kind abgestimmt und wenig diskutiert. Ich mag zB Dinge die sich verbrauchen (Farben, Knete, u.ä.) oder was sich erweitern lässt wenn es gerne bespielt wird (Bausteine, Holzeisenbahn) und man kann auch gerne zusammen legen. Zuviel Kram nervt ungemein. Ich hab im Kinderzimmer drei Pappkisten in denen ich immer Spielsachen lager die gerade nicht interessant sind und tausch dann gelegentlich aus.
    Was ihr an einem Tag so alles mal schnell geschenkt bekommt erstaunt mich aber auch. Ist uns zum Glück noch nicht passiert, aber erschreckend schon allein wegen der Fülle an Müll!
    Viele Grüße STefanie

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    1. An einem Tag haben wir das nicht alles bekommen. Ich wollte nur ausdrücken, dass T zu jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit etwas in die Hand gedrückt bekommt.
      Dinge, die sich verbrauchen sind echt gut. Ich sollte im Laufe des JAhres ne Liste schreiben und die dann zu Weihnachten ausgeben!

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    2. Ich habe in meinem Notizbuch wirklich eine Liste für beide Kinder, für mögliche Geschenkideen und auch, was sie Klamottentechnisch brauchen. Dann nehm ich im A+V nicht nur mit was mir gefällt, sondern auch was sinnvoll ist ;-)

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